Covid-19: Mortalität unter schwarzen Brasilianern viermal höher

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Schwer von der Corona-Pandemie betroffen: Armenviertel
Schwer von der Corona-Pandemie betroffen: Armenviertel

São Paulo. Zahlen aus dem von der Corona-Pandemie am stärksten betroffenen Verwaltungsbezirk der brasilianischen Metropole São Paulo, Brasilândia, belegen erneut, dass die sozial benachteiligten afrobrasilianischen Gemeinden von dem Virus überdurchschnittlich betroffen sind. Die Mortalität unter schwarzen Brasilianern liegt demnach viermal über dem Landesdurchschnitt.

In dem im Nordosten des Landes gelegenen Distrikt bündeln sich 30 Prozent aller Covid-19-Todesfälle von ganz São Paulo. „Die Daten haben die tiefen Ungleichheiten innerhalb Brasiliens offenbart, wo die Armut unter schwarzen Brasilianern, die etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, bedeutend höher ist“, schreibt das Onlineportal Latin America Herald Tribune.

Laut einer Studie des Forschungsverbandes NOIS (Núcleo de Operações e Inteligência e Saúde) der Universität PUC-Rio stirbt ein Schwarzer ohne Schulbildung in Brasilien viermal häufiger am Coronavirus als ein Weißer mit höherer Bildung, obwohl die Zahl der Infizierten in weißen Gemeinden höher ist. Die Studie zeigt auch, dass die Mortalitätsrate unter Weißen etwa 38 Prozent beträgt, während die Todesrate unter Schwarzen bei fast 55 Prozent liegt. Für die Forscher beweisen die Daten, dass die Ausbreitung der bestätigten Covid-19-Fälle in Brasilien "auch durch sozioökonomische Faktoren beeinflusst wurde".

"Das Coronavirus hat nur ein Problem verstärkt, das bereits vor Jahrzehnten bestand. Brasilândia hatte immer Probleme im Bereich der öffentlichen Gesundheit und litt immer unter der Abwesenheit des Staates", sagt Claudio Rodrigues Melo, ein Vertreter des Bezirks. Seine Nachbarschaft bestehe aus "einer großen Zahl von Schwarzen und Menschen, die aus dem Nordosten kamen und in den Favelas und ärmeren Gemeinden leben", so Melo, der Anfang Mai seine Mutter durch das Coronavirus verloren hat und dessen Vater vor fast einem Monat mit Covid-19 in ein Feldlazarett eingeliefert wurde.

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Die Bewohner dieses Elendsviertels mit fast 300.000 Einwohnern, das auf einer alten Zuckerplantage errichtet wurde, sind ausschließlich von den überfüllten staatlichen Krankenhäusern abhängig. Viele sind in kleinen Häusern zusammengepfercht, die sie mit mehreren Personen bewohnen.

"Die Sterblichkeit unter Schwarzen ist immer höher als unter Weißen, selbst wenn man Patienten einer ähnlichen Altersgruppe oder Ausbildung analysiert", erklärt der Koordinator von NOIS und einer der Autoren der Studie, Silvio Ham. "Die Sterblichkeitsrate in Brasilien wird durch Ungleichheiten beim Zugang zur Behandlung beeinflusst", fügte er hinzu. Obwohl Afrobrasilianer 56 Prozent der Bevölkerung ausmachen, sind 67 Prozent der Arbeitslosen oder informellen Arbeiter und 75 Prozent der Ärmsten in Brasilien schwarz.

Nach offiziellen Statistiken sind in Brasilien bislang mehr als 36.000 Menschen an der Atemwegserkrankung Covid-19 gestorben. Der rechtsextreme Präsident Jair Bolsonaro hat unlängst die Statistiken der Regierung löschen lassen und die Publikation weiterer Zahlen eingestellt.

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