Brasilien / Soziales / Politik

Corona-Pandemie in Brasilien: Bereits über 16.000 Tote

brasilien_massengrab_in_manaus_amazonasmetropole.jpg

Massengrab in der Amazonasmetropole Manaus, die besonders von der Covid-Pandemie betroffen ist
Massengrab in der Amazonasmetropole Manaus, die besonders von der Covid-Pandemie betroffen ist

Brasilia. Mit 7.900 neuen Fällen in nur 24 Stunden hat Brasilien am Montag über 240.000 Corona-Infizierte gezählt. Damit hat das Land Italien und Spanien bei der Zahl der Infizierten überholt. Über 16.000 Tote im Zusammenhang mit Covid-19 sind in Brasilien offiziell bestätigt. Mit dieser aktuellen Statistik steht das Land nach den USA, Russland und Großbritannien an vierter Stelle weltweit.

Am Freitag war der Onkologe und Gesundheitsminister Nelson Teich zurückgetreten, nach nicht einmal einem Monat im Amt. "Das Leben besteht aus Entscheidungen. Und ich habe mich heute entschieden zu gehen", sagte der 62-Jährige. Grund für sein Ausscheiden aus der Regierung waren laut Medienberichten Divergenzen mit Präsident Jair Bolsonaro unter anderem über den Einsatz und Nutzen des Malaria-Medikaments Chloroquin zur Bekämpfung von Covid-19. Teich könne Bolsonaros Corona-Strategie nicht weiter mittragen, der sich über "Social Distancing" als Abstandsstrategie lustig mache, ohne Absprache Schönheitssalons und Fitnesscenter zu systemrelevanten Institutionen erkläre und seinen Gesundheitsminister dabei übergehe. Interims-Nachfolger von Teich ist Vize-Gesundheitsminister General Eduardo Pazuello, dem nachgesagt wird, "anpacken“ zu können".

Unterdessen hat der Bürgermeister der Amazonasmetropole Manaus den Präsidenten massiv angegriffen: Er sei ein "indirekter Mörder". Arthur Virgílio Neto wirft ihm vor, die Brasilianer zu ermutigen, auf die Straße zu gehen und die "soziale Isolierung" aufzugeben, obwohl sie die beste Waffe gegen Covid-19 sei.

Die linke brasilianische Arbeiterpartei (PT) plant nun ein Amtsenthebungsverfahren gegen Bolsonaro, das sie dem Parlament vorlegen will. "Bolsonaro ist nicht fähig, in der Krise, die wir durchleben, Antworten zu geben, und hat weder die Qualität noch die verwaltungstechnischen oder menschlichen Fähigkeiten, um das Land zu lenken. Er streitet sich mit jedem und beschützt das brasilianische Volk nicht", erklärt PT-Präsidentin Gleisi Hoffmann zur Begründung.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr