Struktureller Rassismus auch in Argentinien: Gewaltsamer Polizeieinsatz gegen Indigene

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Mitglieder einer Qom-Familie, die Opfer von Polizeigewalt in Argentinien wurden
Mitglieder einer Qom-Familie, die Opfer von Polizeigewalt in Argentinien wurden

Buenos Aires. Die Diskussion über Polizeigewalt aus rassistischen Motiven hat in den vergangenen Tagen auch Argentinien erreicht, nachdem ein verstörendes Video über soziale Netzwerke veröffentlicht wurde. Eine Gruppe Polizeibeamter war gewaltsam in das Haus der Qom-Familie Saravia-Fernández in der Provinz Chaco eingedrungen und gegen die Familie vorgegangen. Laut Medienberichten hatten die Beamten – einige in Uniform, andere in Zivil – gegen vier Uhr morgens die Tür zu dem Haus der Familie eingetreten, weil sie davon ausgingen, dass sich in dem Haus ein Straftäter versteckte. Sie schlugen Elsa Fernández mit einer Pistole ins Gesicht und zogen an den Haaren und unter Schlägen vier Jugendliche mit sich, einer von ihnen minderjährig. Zudem zeigten die jungen Frauen sexuelle Gewalt an. Die Beamten sollen der Gruppe gedroht haben, sie anzuzünden, wie im Internet und Fernsehen kursierende Videos zeigen.

Nach dem Vorfall, der wegen der Verbreitung des Videos in sozialen Netzwerken an großer Sichtbarkeit gewann, wurden die Beamten entlassen. Nichtsdestotrotz blieben sie bislang straffrei. Für "unzumutbar" hält das Madgalena Odarda, Präsidentin des Nationalen Instituts für indigene Angelegenheiten INAI. Carlos Nazareno, Direktor für Pluralismus und Interkulturalität des Sekretariats für Menschenrechte, sagte im Gespräch mit der Tageszeitung Página 12: "Von Spott über Unsichtbarmachung bis hin zu Repression durch die Polizei nimmt der Rassismus in Argentinien verschiedene Formen an – das barbarische und marginale ist immer schwarz und indigen."

Präsident Alberto Fernández verurteilte die Gewalt per Twitter: "Die Bilder von der institutionellen Gewalt in Chaco sind inakzeptabel. Ich begrüße es, dass sich die Bundesbehörde von den Beamten getrennt hat, aber wir müssen stärker an einer Problematik arbeiten, die für die Demokratie eine überfällige Schuld ist." Auch die kirchliche Nationale Pastoral-Kommission für Ureinwohner (Endepa) kritisierte den Übergriff durch die Polizeikräfte scharf.

Immer wieder kommt es in Argentinien zu Polizeigewalt gegen Indigene und schwarze Personen. Zusätzlich sind vor allem Haushalte der indigenen Bevölkerung von mangelnder öffentlicher Versorgung betroffen, was Strom, Wasser, Arbeit, Lebensmittel oder produktiven Boden angeht. Laut Unicef fehlt es mehr als 23,5 Prozent am Nötigsten im Vergleich mit 13,8 Prozent im Rest der Bevölkerung. Besonders groß ist die fehlende Versorgung in den Provinzen Formosa, Chacho und Salta.

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