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Kolumbien: ELN weiter zu Friedensgesprächen bereit

Im amerika21-Interview beschuldigt Sprecher der ELN-Friedensdelegation die USA der Sabotage des Friedensprozesses und warnt vor Verschärfung des Konflikts mit Venezuela

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ELN-Einheiten übergaben vergangene Woche sechs Personen einer Kommission des Internationalen Roten Kreuzes
ELN-Einheiten übergaben vergangene Woche sechs Personen einer Kommission des Internationalen Roten Kreuzes

Havanna. Pablo Beltrán, Leiter der Verhandlungsdelegation der kolumbianischen Nationalen Befreiungsarmee (Ejército de Liberación Nacional, ELN), hat den USA vorgeworfen, eine friedliche Lösung des bewaffneten Konflikts in Kolumbien zu verhindern. "Die USA sabotieren die Bemühungen um eine politische Lösung des Konflikts in meinem Land und wollen Kolumbien in einen Krieg gegen Venezuela hineinziehen", sagte er im Interview mit amerika21.

Anfang Juni waren rund 50 Soldaten der Spezialeinheit U.S. Security Force Assistance Brigade (SFAB) in Bogotá gelandet. Nach offiziellen Angaben sollen sie die kolumbianische Armee beim Kampf gegen den Drogenhandel beraten und unterstützen. Kritiker jedoch befürchten, die Entsendung werde den Konflikt zwschen der venezolanischen Regierung und den USA weiter verschärfen und dem ohnehin angeschlagenen Friedensprozess in Kolumbien schaden.

Im Rahmen der Mission werden die US-Soldaten auch in Regionen eingesetzt, in denen Einheiten der ELN operieren. Beltrán schloss deshalb nicht aus, dass es zu bewaffneten Zusammenstößen der ELN mit den US-Soldaten kommen könnte, da diese Uniformen des kolumbianische Militärs trügen und bewaffnet seien, wie er dem Radiosender Caracol sagte.

Zugleich widersprach er im Gespräch mit amerika21 den Darstellungen, die ELN operiere auch auf venezolanischem Territorium. Die vermeintliche Präsenz der Guerilla in Venezuela spielt im angespannten Verhältnis der beiden Nachbarländer eine erhebliche Rolle. Kolumbiens Präsident Iván Duque, der den venezolanischen Oppositionsführer Juan Guiadó offen unterstützt, wirft der Regierung von Nicolás Maduro vor, die ELN auf ihrem Staatsgebiet zu dulden und so dem Terrorismus Vorschub zu leisten. Fotos von Camps der ELN, die dies belegen sollten und die Duque 2019 vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen zeigte, stellten sich jedoch als unzutreffend heraus (amerika21 berichtete).

Beltrán kritisierte zudem die Entscheidung der US-Regierung, Kuba auf die Liste der Länder zu setzen, "die den internationalen Terrorismus unterstützen". Dies sei auf Ersuchen der kolumbianischen Regierung geschehen, sagte Beltrán. Die Rechtsregierung von Duque fordert von Kuba die Auslieferung der ELN-Friedensdelegierten um Beltrán. Die Rebellengruppe und die kubanische Regierung hingegen fordern die Einhaltung des mit der Regierung von Juan Manuel Santos (2010-2018) zu Beginn der Gespräche vereinbarten Rückkehrprotokolls.

Die nach der Demobilisierung der Farc-EP größte Guerillagruppe Kolumbiens hatte 2016 Friedensverhandlungen mit der damaligen Regierung aufgenommen, die zunächst in Ecuador und später in Kuba stattfanden. Nach der Amtsübernahme durch Duque und seiner rechten Partei Centro Democrático wurden die Gespräche zunächst nicht fortgesetzt und im Januar 2019 von der Regierung beendet, nachdem die ELN einen Bombenanschlag auf die Kadettenschule der Nationalpolizei in Bogotá verübt hatte. Die Verhandlungsdelegation der ELN hält sich nach wie vor in der kubanischen Hauptstadt auf.

Beltrán warf der Regierung Duque vor, nicht an der Fortsetzung der Verhandlungen interessiert zu sein. "Wir sind sofort bereit, Friedensgespräche aufzunehmen, allerdings ohne Vorbedingungen. Die Antwort der Regierung besteht darin, uns Dutzende von Vorbedingungen zu stellen. Das ist ihre Form zu sagen, dass sie nicht an einer politische Lösung des Konflikts interessiert ist, sie sich nicht auf friedliche gesellschaftliche Transformation einlassen will."

Zugleich erteilte er der Aufgabe der von der Regierung als "Entführungen" und von der Rebellengruppe als "Einbehaltungen" bezeichneten Geiselnahmen eine Absage. Dies wird von der Regierung als eine Bedingung für einen Neustart der Gespräche genannt.

In der vergangenen Woche hatten ELN-Einheiten sechs Personen einer Kommission des Internationalen Roten Kreuzes übergeben, unter ihnen zwei Polizisten. Die Guerilla beschuldigte sie der Spionage. Laut Medienberichten befinden sich noch weitere 19 Personen in der Gewalt der ELN.

Das vollständige Interview finden Sie hier

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