Chile: Hungerstreikende Mapuche in kritischem Zustand

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Am 27. Juli besetzten Unterstützer der Hungerstreikenden mehrere Sitze von Gemeindeverwaltungen in Südchile, hier in Curacautín
Am 27. Juli besetzten Unterstützer der Hungerstreikenden mehrere Sitze von Gemeindeverwaltungen in Südchile, hier in Curacautín

Santiago. Seit dem 24. August haben 16 Mapuche in verschiedenen Gefängnissen einen bereits mehr als 100 Tage andauernden Hungerstreik verschärft, indem sie auch das Trinken verweigern. Ihr Zustand verschlechtert sich zunehmend. Sie gehören zu weiteren hungerstreikenden politischen Gefangenen des indigenen Volks der Mapuche in Chile.

Sie fordern eine Anwendung der Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) zur Wahrung indigener Rechte und eine Änderung einer nicht den Menschenrechten entsprechenden Verordnung des Justizministeriums. Die IAO ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Die 16 Streikenden begannen schließlich keine Flüssigkeiten mehr zu sich zunehmen, nachdem die chilenische Regierung eine Frist nach einer Verhandlung mit den Mapuche verstreichen ließ.

Germán Acuña, Vorsitzender der Ärztekammer in der Region Concepción-Arauco, sagte gegenüber Radio cooperativa, dass der Zustand der Streikenden einen kritischen Punkt erreicht habe, an dem ihr Leben in Gefahr sei. Im Durchschnitt sollen die Hungerstreikenden mehr als 10 Kilo verloren haben und durch die Weigerung zu Trinken habe sich ihre Situation weiter verkompliziert. Drei Mapuche wurden aufgrund ihres Gesundheitszustands ins Krankenhaus eingeliefert, weitere drei in Hausarrest überstellt.

Der alte Konflikt zwischen chilenischer Regierung und den Mapuche brach in letzter Zeit wieder verstärkt auf, nachdem Heiler und spiritueller Führer (Machi) Celestino Córdova für indigene Rechte in den Hungerstreik trat und dies zu Solidaritätsaktionen im ganzen Land führte. Der Machi erreichte nach 107 Tagen Mitte August eine vorläufige Einigung mit der Regierung und beendete den Streik. Er betonte jedoch, dass die wichtigsten Forderungen noch nicht erfüllt worden seien.

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Ein Angriff rechter Gruppen auf von Mapuche besetzte Rathäuser Anfang August stellte eine neue Eskalation dar, die viele Chilenen an die Repression bewaffneter rechter Gruppen gegen Indigene während der Pinochet-Diktatur erinnerte. Die Polizei soll dem Angriff zugesehen haben und nahm danach einige Mapuche fest. Der Konflikt droht nun zu einer neuen landesweiten Krise zu werden. Ein zuständiger Landrat brachte als deeskalierende Maßnahme gar eine UN-Friedensmission ins Spiel.

Indes riefen am 20. August LKW-Fahrer einen unbefristeten Streik aus, um die Regierung zum Handeln "gegen die Gewalt der Mapuche" im Süden des Landes zu bewegen. Seit Jahrzehnten kommt es im Rahmen des Konflikts zu gewaltsamen Aktionen beider Seiten. Der Streik könnte nun das Land lahmlegen und schränkt den Transport wichtiger Güter ein. Verschiedene Arbeitgeberverbände mobilisieren für die Streikenden.

Führende Politiker der Opposition kritisierten jedoch den Streik der Fahrer als Erpressung und nannten ihn undemokratisch. Einige Aktivisten für eine neue Verfassung zogen Parallelen zum Streik der LKW-Fahrer 1972 während der Regierungszeit von Salvador Allende, der damals die Regierung stürzen sollte. Die historische Forschung ordnet jenen Streik heute dem Einfluss des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA zu.

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