Mütter und Aktivistinnen besetzen Gebäude der Menschenrechtskommission in Mexiko-Stadt

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Die Besetzerinnen wollen die Porträts der "Nationalhelden" versteigern
Die Besetzerinnen wollen die Porträts der "Nationalhelden" versteigern

Mexiko-Stadt. Mütter von ermordeten und verschwundenen Frauen sowie Aktivistinnen des feministischen Kollektivs "Ni Una Menos!" (Nicht eine weniger!) und des anarchistischen feministischen Schwarzen Blocks halten seit dem 2. September das Gebäude der Nationalen Menschenrechtskommission (CNDH) in Mexiko-Stadt besetzt. Sie protestieren damit gegen die Untätigkeit der Behörde bei sexueller Gewalt, Frauenmorden und Verschwindenlassen und verlangen umfassende Ermittlungen.

Vor der Besetzung des Gebäudes wollten zwei der Mütter, die aus dem nördlichen Bundesstaat San Luis Potosí kommen, mit der Vorsitzenden der Kommission, Rosario Ibarra Piedra, über ihre Töchter zu sprechen. Diese wurden ermordet und vergewaltigt, die Täter bis jetzt nicht festgenommen. Als Piedra dies ablehnte, ketteten die Mütter sich an einem Stuhl fest und weigerten sich, das Gebäude zu verlassen. Sie appellierten an den Präsidenten, Andrés Manuel López Obrador (Amlo), dafür zu sorgen, dass die dafür zuständige Nationale Menschenrechtskommission in ihren und anderen Fällen endlich ermittelt.

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Aktivistin mit dem Madero-Porträt
Aktivistin mit dem Madero-Porträt

"Nicht mal eine Minute hat sich die Leiterin der CNDH mit uns getroffen. Wir fordern deshalb, dass sie, wenn sie ihre Arbeit nicht machen kann, zurücktreten soll", sagte eine der Mütter.

Feministische Kollektive kamen am Donnerstag dazu, um sich mit ihnen zu solidarisieren. Am Freitag haben sie zusammen das Gebäude vollständig übernommen und verbarrikadiert. "Wir sind hierhergekommen, um präsent zu sein und Druck auf die Regierung auszuüben, nur so erreichen wir ihre Aufmerksamkeit", betonte einer der Aktivistinnen.

Während die zwei Mütter mittlerweile das Gebäude verlassen haben, beteiligen sich weitere 30 Familienangehörige von Opfern und Aktivistinnen immer noch an der Besetzung des Gebäudes.

Die CNDH hat bis jetzt drei Kommuniqués veröffentlicht, alle mit dem Appell zum Dialog und zum Respekt gegenüber der Inneneinrichtung des Gebäudes, wo sich unter anderem wertvolle Porträts mexikanischer Nationalhelden befinden. Die Besetzerinnen haben diese Erklärungen zurückgewiesen, denn diese seien nur für die Medien gemacht: "Kein Mitarbeiter der CDNH hat mit uns bisher Kontakt aufgenommen".

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Feministische Aktivistinnen vor dem besetzten CNDH-Gebäude
Feministische Aktivistinnen vor dem besetzten CNDH-Gebäude

Weiter erklärten sie, dass sie das Gebäude nicht verlassen werden, solange ihre Forderungen nicht erfüllt sind. Zudem werde der CNDH-Sitz in ein "Haus der Zuflucht ‒ Nicht eine weniger!" umgewandelt: Personen, die eine Menschenrechtsverletzung anklagen wollen, sollen kommen und ihre Unterlagen übergeben, wer eine Unterkunft und Nahrung brauche, solle ebenfalls kommen.

Inzwischen haben die Aktivistinnen einen Tisch mit Lebensmitteln, die sie in dem Gebäude vorgefunden haben, für die Bürger auf der Straße zur Verfügung gestellt.

Die Porträts der nationalen Helden wurden übermalt und ebenfalls auf die Straße gestellt, sie sollen versteigert werden. Das Geld soll an die Angehörigen der Opfer weitergeben werden.

Präsident López Obrador kritisierte die Aktion: "Ich respektiere jede Art von Protesten. Ich bin aber mit Vandalismus und Gewalt nicht einverstanden. Mit gefällt auch nicht, was sie mit dem Bild von Madero gemacht haben", so Amlo in seiner täglichen Pressekonferenz.

Das Porträt von Francisco Ignacio Madero wurde von einem zehnjährigen Mädchen übermalt, das mit sieben Jahren missbraucht wurde. In dem Fall hat die CNDH bis heute nicht ermittelt. Mit ihrer Mutter zusammen nimmt sie an der Besetzung teil.

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