Nicaragua / Soziales

Kirche in Nicaragua sieht sinkende Covid-19-Gefahr

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Die nicaraguanische Bischofskonferenz ruft zur Teilnahme an Gottesdiensten in den katholischen Kirchen des Landes ab dem 4. Oktober auf
Die nicaraguanische Bischofskonferenz ruft zur Teilnahme an Gottesdiensten in den katholischen Kirchen des Landes ab dem 4. Oktober auf

Managua. Die nicaraguanische Bischofskonferenz hat angekündigt, dass in den katholischen Kirchen des Landes ab dem 4. Oktober die Messe wieder in Anwesenheit von Gläubigen gelesen werden soll. Mit dieser Entscheidung erkannte die Kirchenführung an, dass die Bekämpfung der Covid-19-Pandemie durch die Regierung in Nicaragua relativ erfolgreich verlaufen ist. Die Bischöfe erklärten, dass sie die Entscheidung nach der Anhörung von nationalen und internationalen Gesundheitsexperten getroffen hätten, die eine allmähliche Senkung der Infektionsraten beobachtet hatten.

Die Bischöfe und Priester hatten sich im April 2018 hinter die Anführer einer Bewegung zum Sturz der Regierung Ortega gestellt, seit dieser Zeit gilt ihr Verhältnis zur Exekutive als sehr angespannt.

Seit dem Ausbruch der Pandemie in Nicaragua im März hatte die rechte Opposition im Land versucht, mit der Krankheit Angst unter der Bevölkerung zu säen. So hatten die Oppositionelle und Privatärzte z.B. die Menschen aufgefordert, bei Krankheiten nicht in öffentliche Krankenhäuser zu gehen, weil dort das Coronavirus verbreitet werde. Die Regierung, so eine weitere Anschuldigung, unternehme nichts gegen die Verbreitung der Pandemie.

Tatsächlich deutet inzwischen einiges darauf hin, dass die auch in der internationalen Presse angegriffene Strategie der Regierung Nicaraguas beim Kampf gegen Covid-19 relativ erfolgreich ist. Die Zahl neuer Fälle ist von einem Höchststand von 480 pro Woche Ende Mai auf 143 (Mitte September) gesunken. Das Krankenhaus Alemán Nicaragüense in Managua, das vorübergehend ausschließlich Covid-Patienten behandelt hatte, hat seine Türen wieder für andere Patienten geöffnet. In anderen Krankenhäusern sind die Zahlen der Covid-Patienten sehr niedrig.

Auch wenn die offizielle Zahl von knapp 5.000 Covid-Fällen in Nicaragua aufgrund der begrenzten Testmöglichkeiten die tatsächliche Verbreitung unterschreitet, ist sie im Verhältnis zu den unter ähnlichen Bedingungen testenden mittelamerikanischen Ländern sehr niedrig. Guatemala nennt aktuell 85.000 Fälle, Honduras 71.000 und El Salvador 27.000.

Selbst die "unabhängige" Bürgerbeobachtungsstelle, die eng mit den rechten Oppositionsgruppen verbunden ist, nennt aktuell nur etwa 10.000 Fälle. Diese Zahl gründet allerdings nicht auf Tests, sondern auf schwer zu verifizierenden Informationen. Die sinkenden Fallzahlen zeichneten sich schon seit einigen Wochen ab, auch die Oppositionszeitung La Prensa räumte einen ausbleibenden Anstieg der Pandemie ein.

Der Umgang der Regierung mit Covid-19 hatte sich stark von den Nachbarländern unterschieden und die Reaktion erfolgte früher. Die Ausrüstung von Krankenhäusern für die Behandlung schwerer Atemwegserkrankungen wurde beschafft und die Mitarbeiter des Gesundheitswesens wurden für den Umgang mit dem Virus geschult. Ohne Ausgangssperre wurden strenge Gesundheitskontrollen an den Grenzen eingeführt. Haus-zu-Haus-Besuche mit freiwilligen Gesundheitsbrigaden und die Rückverfolgung der Kontakte waren wichtige Elemente beim Kampf gegen die Pandemie.

Die Informationspolitik der Opposition verursachte indes auch Störungen bei der Behandlung der Menschen. Aktuell ist aber noch nicht erkennbar, ob es auch in Nicaragua zu dem von der WHO beklagten Tod durch falsche Nachrichten kam.

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