Mexiko / Soziales

Mexiko: Paramilitärs verletzen Mitglied eines Hilfskonvois in Chiapas

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Familien verstecken sich in Chiapas vor möglichen Angriffen
Familien verstecken sich in Chiapas vor möglichen Angriffen

San Cristóbal de Las Casas. Bewaffnete haben in Mexiko eine humanitäre Hilfsbrigade angegriffen, die in der Gemeinde Tabak, im Bezirk Aldama, Chiapas, Lebensmittel an vertriebene Familien verteilen wollte. Die Autos der Caritas und der Stiftung für die Gesundheit indigener Kinder Mexikos (FISANIM) wurden in einem Hinterhalt beschossen. Dabei erlitt die Dominikanernonne María Isabel Hernández Rea am rechten Bein eine Schusswunde durch eine großkalibrige Waffe, wie Ofelia Medina, Direktorin von FISANIM, berichtete. Medina sowie das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas (Frayba) verurteilen diesen Angriff auf eine humanitäre Hilfsaktion für die intern Vertriebenen von Aldama.

Die Gemeinden in Aldama werden beinahe täglich aus dem benachbarten Santa Martha, Bezirk Chenalhó, von Mitgliedern einer paramilitärischen Gruppierung beschossen. Vordergründig geht es bei diesem Konflikt um 60 Hektar Land im Grenzgebiet, ausgelöst durch eine widersprüchliche staatliche Kartographierung.

Medina betonte jedoch im Interview mit Aristegui Noticias, dass hinter dem seit Jahren schwelenden Konflikt vielmehr die Kontrolle dieses strategischen Territoriums zwecks Durchführung von illegalen Aktivitäten wie Drogen- und Menschenschmuggel zu vermuten sei.

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Die Lokalregierung unter Gouverneur Rutilio Escandón Cadenas von der Bewegung der Nationalen Erneuerung (Movimiento Regeneración Nacional, Morena) wie auch die föderalen Behörden haben bisher keine ernsthaften Schritte zur Entwaffnung der Paramilitärs und zur Beendigung der Straflosigkeit unternommen, was immer wieder zu neuen Fluchtbewegungen führt. Dies, obwohl Präsident Andrés Manuel López Obrador mehrmals persönlich in Pressekonferenzen auf den Konflikt aufmerksam gemacht wurde. Zuletzt am 2. Oktober, als Ernesto Ledesma, Direktor des alternativen Online-TV-Station Rompeviento TV, berichtete, dass er bei Recherchearbeiten in Aldama massiven Morddrohungen ausgesetzt war.

In einer sogenannten "Urgent Action" fordert das Frayba den mexikanischen Staat nun auf, die Paramilitärs in Chenalhó zu entwaffnen und zur Rechenschaft zu ziehen, um so der Straflosigkeit und den Vertreibungen von Tausenden von Tzotzil-Indigenen ein Ende zu setzen.

Die bewaffneten Gruppierungen in der Region sind die Nachfolgeorganisationen der paramilitärischen Verbände, welche in den 1990er Jahren von Militärs im Ruhestand ausgebildet wurden und zur Aufstandsbekämpfung gegen die Unterstützungsbasis der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (Ejército Zapatista de Liberación Nacional, EZLN) eingesetzt worden waren.

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