Kolumbien: Enthauptung in Chocó und Massaker in Cauca

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Der Cric macht die Regierung von Iván Duque teilweise für die Gewaltwelle am Wochenende verantwortlich
Der Cric macht die Regierung von Iván Duque teilweise für die Gewaltwelle am Wochenende verantwortlich

Bogotá. Zwischen Donnerstag und Sonntag der vergangenen Woche haben paramilitärische Drogenbanden mehrere Angehörige von indigenen und afrokolumbianischen Gemeinden in den westlichen Departamentos Chocó und Cauca ermordet.

In Bahía Solano, an der pazifischen Chocó-Küste, ermordeten die Gaitán-Selbstverteidigungsgruppen (AGC) den indigenen Sprecher der Gemeinde Embera Dobida, Miguel Tapí. Vermummte Männer der AGC hatten ihn zunächst entführt, einige Stunden später fanden Angehörige des 60-Jährigen seinen Körper enthauptet auf.

Die Tat erinnert an die zahlreichen Enthauptungen der Jahrtausendwende, die zur Expansionsstrategie der damaligen Paramilitärs gehörten und eine der gewaltsamsten Phasen des internen Konflikts prägten. Nach dem Mord an Tapí sind über 900 Indigene aus Bahía Solano geflüchtet. 17 Personen sind in diesem Jahr in Bahía Solano ermordet worden.

Die AGC haben sich in der Zone nach der Entwaffnung der Farc-EP-Guerilla immer stärker ausgebreitet. Für den Waffen- und Drogenschmuggel, den sie betreiben, ist die Region strategisch wichtig. Bekämpft wird die AGC dort hauptsächlich von der ELN-Guerilla. Im Hauptdorf der Gemeinde ringt außerdem die kriminelle Organisation Los Chacales (Die Schakale) mit der AGC um die militärische Macht, wodurch die Bevölkerung in ständiger Gefahr ist. Der Ombudsmann hatte dies bereits im April angeprangert.

Auch im Norden und Westen des Departamentos Cauca schlugen Paramilitärs zu: Sieben Angehörige der lokalen indigenen Gemeinden sind dort innerhalb von 24 Stunden ermordet worden. Am Samstag wurde Juan Carlos Petins im Westen von Cauca erschossen. Er lebte in der indigenen Schutzzone Tálaga. Am selben Tag traf es Eduardo Pino Julicué, den Sohn der angesehenen Rätin des indigenen Bündnisses von Nord-Cauca (Acin), Luz Eida Julicué. Ebenfalls am Samstag wurde Gildon Soliz Ambuila, afrokolumbianischer Sozialaktiver der Gemeinde Buenos Aires, umgebracht.

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Am Samstagabend haben zwei Unbekannte auf einem Motorrad auf eine Person in einem Lokal in der Gemeinde Santander der Quilichao geschossen. Anwesende, die versucht hätten, dies zu verhindern, seien dabei erschossen worden, so der Menschenrechtskoordinator von Acin, Mauricio Capaz. Insgesamt gab es vier Tote, unter ihnen der Ex- Farc-Guerillero Fernando Trochez Ulcué und sein Bruder sowie der Anführer einer indigenen Jugendorganisation, Carlos Escué.

Der Indigene Regionalrat von Cauca (Cric) macht die Regierung von Iván Duque teilweise für die Gewaltwelle am Wochenende verantwortlich. Sie reagiere nur mit der Intensivierung des Militäreinsatzes. Die bewaffneten Strukturen, die Kleinbäuer:innen, Indigene und Afrokolumbianer:innen töten, finanzierten sich durch den Drogenhandel, der wiederum möglich sei, weil die Regierung den Friedensvertrag nicht umsetzt. Der Cric nennt insbesondere die Punkte drei und vier des Abkommens, die Lösungen zur Beseitigung der Drogenproduktion und Sicherheitsgarantien für die sozialen Bewegungen beinhalten.

Der indigene Rat ruft deshalb die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Regierung Duque zur Umsetzung des Friedensvertrags aufzufordern. Die aktuelle Fortsetzung der Gewalt sei für sie als Kontrollmechanismus der Bevölkerung nützlich und fördere deren "territoriale Enteignung" sowie die "Verweigerung von Grundrechten". Sie entspreche einer Politik der "Demokratischen Sicherheit". Damit ist die Sicherheitspolitik des ultrarechten Mentors von Duque, Álvaro Uribe, während seiner Amtszeiten als Präsident (2002-2010) gemeint. Duque führe sie heute de facto weiter, so der Cric

In diesem Jahr gab es 79 Massker mit 340 Opfern. Dabei, aber auch bei Einzeltaten, sind 2020 284 Aktivist:innen und seit Ende 2016 245 Farc-Demobilisierte getötet worden.

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