Trotz diplomatischen Bruchs: Covid-19-Hilfe von Venezuela an Brasilien

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Venezuela hilft der brasilianischen Stadt Manaus mit Krankenhaus-Sauerstoff
Venezuela hilft der brasilianischen Stadt Manaus mit Krankenhaus-Sauerstoff

Manaus. Die brasilianischen Behörden haben die Ankunft von fünf Lastwagen aus Venezuela mit Sauerstoff in Manaus, der Hauptstadt des Bundestaates Amazonas, bestätigt. Die Lieferung soll zur Bewältigung der Gesundheitskrise, die das Gebiet wegen der Corona-Pandemie erleidet, beitragen.

Der Sauerstoff ist für Krankenhäuser mit Covid-19-Patienten in Manaus bestimmt. Aufgrund der enormen Zunahme der Infektionen kam es zu einem Versorgungskollaps. Der Verbrauch an Sauerstoff für Patienten mit Atemwegserkrankungen war von circa 5.000 auf 76.000 Kubikmeter pro Tag angestiegen.

Die abgelegene Stadt im nördlichen Bundesstaat Amazonas ist nur schlecht mit dem Rest Brasiliens verbunden, hier leben aber zwei Millionen Menschen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, dass das Gesundheitssystem "an der Belastungsgrenze" sei und Massengräber ausgehoben würden. AFP zitierte Wissenschaftler vor Ort mit den Worten, dass "die Sauerstofftanks leer sind und einige Krankenhäuser zu einer Art Erstickungskammern geworden sind".

Angesichts der eskalierenden Covid-19-Notfälle hat Venezuela Maßnahmen ergriffen, um der Stadt Manaus am Wochenende unter dem Vorzeichen der "lateinamerikanischen Solidarität" zu helfen.

Am Samstag wurden 107 venezolanische und brasilianische Ärzte der Escuela Latinoamericana de Medicina Salvador Allende (Lateinamerikanische Schule für Medizin, Elam) aus Caracas in Abstimmung mit den regionalenBehörden zur Unterstützung entsandt.

Zusätzlich zu dem medizinischen Personal schickte Venezuela auch 136.000 Liter Sauerstoff in einem Konvoi vonTankwagen mit einem Fassungsvermögen von 136.000 Litern, was 14.000 Einzelflaschen entspricht.

Präsident Nicolás Maduro erklärte: "Wir schicken die notwendige humanitäre Unterstützung nach Manaus. Wir haben dem brasilianischen Volk die Hand der Solidarität gereicht. Die Menschen sollen wissen, dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten bereit sind, sie zu unterstützen."

Der Gouverneur des venezolanischen Bundesstaates Bolívar, Justo Noguera Pietri, und der Senator für den brasilianischen Bundesstaat Roraima, Telmario Motta, empfingen den humanitären Konvoi nach Überquerung der Grenze. Motta hob dabei die Bedeutung der Geste der Solidarität hervor.

Die medizinische Hilfe wurde möglich, obgleich Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro Maduro nicht als Venezuelas Staatsoberhaupt anerkennt und die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern abgebrochen hat.

Bolsonaro ließ die Lieferung zu, erklärte jedoch: "Wenn Maduro uns mit Sauerstoff versorgen will, nehmen wir ihn gerne an; aber er könnte auch seinem Volk Hilfe in der Not leisten, der Mindestlohn dort reicht gerade mal für ein halbes Kilo Reis", so der ultrarechte Präsident am Montag vor Anhängern in der Hauptstadt Brasília.

Venezuelas Regierung hat unterdessen zugesagt, solange nötig jede Woche Sauerstoff nach Manaus zu liefern.

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