Caracas. Nach den verheerenden Erdbeben vom vergangenen Mittwochabend hat Venezuelas Präsidentin Delcy Rodríguez neue Opferzahlen bekanntgegeben. Demnach wurden bisher 589 Tote und 2.980 Verletzte gezählt. Das ist der Stand der offiziellen Angaben zu den Opfern von 15:00 Uhr am Freitag deutscher Zeit. Bislang wurden 214 Nachbeben registriert. Zahlreiche Menschen dürften indes noch unter den Trümmern liegen.
Laut der offiziellen Zwischenbilanz sind über 250 Gebäude schwer beschädigt worden. Am schlimmsten traf es den Bundesstaat La Guaira nördlich der Hauptstadt Caracas. Mindestens 100 Gebäude sind dort eingestürzt, darunter mehrere Hochhäuser. Auch der internationale Flughafen Simón Bolívar in Maiquetía wurde beschädigt, woraufhin der Flugbetrieb eingestellt wurde.
Am Donnerstag erreichten mobile medizinische Operationsstationen der Armee den Bundesstaat, um Notfälle direkt vor Ort operieren und versorgen zu können.
Die geschäftsführende Präsidentin Rodríguez betonte vor Ort, die Suche nach noch lebenden Verschütteten habe für die Regierung oberste Priorität. Sie beauftragte den Oberbefehlshaber der Nationalgarde, Juan Ernesto Sulbarán Quintero, mit der Leitung der Rettungseinsätze. Daran sind neben Nationalgarde und Armee auch die Feuerwehr und zivile Brigaden beteiligt. Das Ernährungsministerium hat derweil mit der Verteilung von Wasser und Lebensmitteln in den besonders betroffenen Gebieten begonnen.
Innenminister Diosdado Cabello besuchte La Guaira ebenfalls am Donnerstag und sicherte den über 70.000 von den Erdbeben betroffenen Familien staatliche Unterstützung zu.
Ihnen gefällt, was Sie lesen?
Das freut uns. Unterstützen Sie unsere Arbeit. Regelmäßige Spenden helfen uns, das Projekt amerika21 nachhaltig aufzustellen.
Venezuelas in den USA inhaftierter Präsident Nicolás Maduro ließ über seinen Telegram-Kanal eine Botschaft verbreiten, in der er die Bevölkerung zu nationaler Einheit und Durchhaltevermögen aufrief. "Alle unsere Gedanken, unser Herz und unser Glaube sind mit euch", schrieb er in der gemeinsam mit seiner Ehefrau Cilia Flores unterzeichneten Erklärung.
Inzwischen haben zahlreiche Länder humanitäre Unterstützung für Venezuela angekündigt. US-Präsident Donald Trump, der noch im Januar Caracas hatte bombardieren lassen, rief alle zuständigen staatlichen Stellen auf, sich vorzubereiten, um "dem Volk Venezuelas rasch zu helfen". Die USA würden "für unsere neuen und großartigen Freunde da sein", so Trump.
Der Sprecher von Chinas Außenministerium, Guo Jiakun, versprach, China werde "jede nur mögliche Hilfe leisten, entsprechend den Bedürfnissen Venezuelas". Auch zahlreiche lateinamerikanische Länder, darunter Mexiko, Brasilien, Kuba, Chile und Ecuador, haben humanitäre Hilfslieferungen und die Entsendung von spezialisiertem Personal zugesagt. Deutschland kündigte die Entsendung von Transportflugzeugen an, darunter eine Maschine für den Krankentransport.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) informierte, dass Sofortmittel in Höhe von 2,5 Millionen US-Dollar freigegeben wurden, um die Hilfsarbeiten vor Ort zu unterstützen. Auch die Vereinten Nationen haben spezialisierte Teams nach Venezuela geschickt, die bei der Suche nach verschütteten Personen helfen sollen.

