162 indigene Völker in Brasilien von Covid-19 betroffen

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Militär im Einsatz bei der Corona-Impfkampagne im Terra Indígena Waiãpi im Süden des Bundesstaates Pará
Militär im Einsatz bei der Corona-Impfkampagne im Terra Indígena Waiãpi im Süden des Bundesstaates Pará

Brasília. Bis zum 27. Februar 2021 sind in Brasilien 49.583 Indigene an Corona erkrankt, 975 starben mit oder an dem Virus. 162 indigene Völker insgesamt sind betroffen. Diese Daten werden kontinuierlich von der Dachorganisation Indigener Völker in Brasilien (Apib) erfasst und publiziert, während die brasilianische Bundesregierung keine zuverlässigen Zahlen liefert.

In Brasilien leben rund 900.000 Indigene in circa 305 verschiedenen Völkern. Sie machen 0,4 Prozent der brasilianischen Bevölkerung aus. Laut dem Dachverband COIAB, der Angehörige indigener Völker aus allen Teilen des brasilianischen Amazonasbecken vertritt, ist deren Sterblichkeitsrate 58 Prozent höher als in der Gesamtbevölkerung, während die Infektionsrate sogar 68 Prozent höher ist.

Seit Anfang der Pandemie beobachtet die Apib mit anderen indigenen und Menschrechtsorganisationen die Lage und kämpft an allen Fronten – im Parlament, im Justizwesen und in den indigenen Gebieten selbst.

Die Indigenen gelten als Risikogruppe im Nationalen Impfplan, der auf den Prinzipien der WHO beruht, und werden seit Januar gegen Covid-19 geimpft. Doch es verwirrt viele, dass die Regierung von Präsident Jair Bolsonaro, die eine explizit gegen die Rechte der Indigenen gerichtete Politik betreibt, nun scheinbar ihre Verletzlichkeit anerkennt.

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Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat Ende des vergangenen Jahres eine Anzeige gegen Bolsonaro wegen Menschenrechtsverbrechen gegen die indigene Bevölkerung zugelassen und prüft, ob ein Strafverfahren eröffnet wird. Bolsonaro wird die "Anstiftung zum Völkermord" sowie die "Förderung systematischer Angriffe gegen die indigenen Völker" vorgeworfen.

Das Misstrauen der Indigenen gegenüber der Regierung basiert auf Fakten, wird aber auch von Evangelikalen angeheizt, die Fake News über die Impfung verbreiten, wie etwa, dass mit dem Impfstoff ein Chip eingepflanzt werde.

Apib und andere indigenen Organisationen haben daher die große Aufklärungs- und Werbekampagne "Vacina, parente" initiiert. Gleichzeitig kämpfen sie auch dafür, dass rund 300.000 Indigene, die außerhalb staatlich anerkannter Schutzgebiete leben, geimpft werden. Sie sind bisher nicht in das Impfprogramm einbezogen.

Am 18. Februar starb Amoim Aruká an den Folgen der Corona-Infektion, der letzte Überlebende des Volks der Juma. Sein Tod verkörpert die ganze Tragödie der Indigenen in Brasilien. Die Juma haben im Laufe ihrer Geschichte zahlreiche Massaker erlitten und wurden von 15.000 Menschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf fünf im Jahr 2002 reduziert.

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