Ecuador / Politik

Kurz vor der Stichwahl in Ecuador liegt Linkskandidat Arauz bei Umfragen vorn

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Hip Hop bei einer Wahlkampfveranstaltung von Arauz (orangefarbene Jacke) mit jungen Leuten am 1. April im Stadtteil Chillogallo von Quito
Hip Hop bei einer Wahlkampfveranstaltung von Arauz (orangefarbene Jacke) mit jungen Leuten am 1. April im Stadtteil Chillogallo von Quito

Quito. Der Kandidat des Linksbündnisses Union für die Hoffnung (Unes), Andrés Arauz, liegt bei den letzten Umfragen für die Präsidentschaftswahlen in Ecuador am 11. April vorn. Nur ein Institut sieht den Kandidaten der Rechten, Guillermo Lasso, knapp vor Arauz.

Dabei basieren die Daten auf unterschiedlichen Methoden: Differenziert wird zwischen Wahlabsicht einschließlich der ungültigen Stimmen und der Prozentzahl für das Endergebnis. So sieht etwa "Clima Social" Arauz bei 34,1 Prozent der Wahlabsicht, beim Endergebnis bei 55,5 Prozent und Lasso bei 44,6 Prozent. "Cedatos" sieht Lasso vorne mit 52 Prozent und Arauz bei 48 Prozent.

Die Umfragen vor den Wahlen im Februar haben gezeigt, dass sie teilweise weit entfernt von den Ergebnissen lagen. So hatten einige den Sieg von Arauz in nur einem Wahlgang vorausgesagt. Er erhielt jedoch nur 32 Prozent der Stimmen.

Nach Meinung von Expert:innen kann bis zum Wahltermin noch viel in die eine oder andere Richtung passieren. Noch ist auch die Zahl der Untentschiedenen sehr hoch. Beide Kandidaten versuchen vor allem die Stimmen für sich zu gewinnen, die beim ersten Wahlgang an die indigene Organisation Pachakutik und die Partei Linke Demokraten (ID) gingen.

Während Pachakutik zum "voto nulo" (ungültig) aufruft, macht ID keine Werbung für einen der Kandidaten. Der ausgeschiedene ID-Anwärter Xavier Hervas ruft jedoch offen für die Wahl von Lasso auf, ebenso die anderen ehemaligen Kandidaten.

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Kandidat Lasso beim Wahlkampfbesuch am 27. März in der Provinz Sucumbíos im Amazonasbecken
Kandidat Lasso beim Wahlkampfbesuch am 27. März in der Provinz Sucumbíos im Amazonasbecken

Eine Ausnahme bildet die bisherige Regierungspartei Alianza País, die sich jetzt von Präsident Lenín Moreno distanziert und zur Wahl von Arauz aufruft. Auch der Kandidat von Avanza ruf zur Wahl des Unes-Kandidaten auf. Die Organisation erklärte jedoch, dass dies nicht in ihrem Namen geschehe. Unterstützung bekommt Arauz von sozialen Bewegungen und unter anderem auch von den Angestellten im öffentlichen Dienst. Lasso hat Pachakutik und ID angeboten, in Zukunft zusammenzuarbeiten.

In den Printmedien wird relativ wenig über den Wahlkampf berichtet. Das Thema des "voto nulo" ist in der Öffentlichkeit quasi verschwunden. In diesem Wahlkampf spielen die sozialen Medien eine größere Rolle als die Printmedien, ebenso die digitalen Radio- und TV-Sender.

Dies wird in der letzten Woche des Wahlkampfes noch verstärkt eine Rolle spielen, da Präsident Moreno wegen der Corona-Pandemie für einen Teil der Provinzen ab dem 1. April für 30 Tage den Ausnahmezustand angeordnet hat. Damit sind Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, eine nächtliche Ausgangssperre, Alkoholverbot und die Schließung des öffentlichen Dienstes außer den Bereichen Gesundheit, Sicherheit und Feuerwehr verbunden. Der Wahlprozess soll jedoch gesichert sein.

Der Wahlkampf endet am kommenden Donnerstag.

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