Peru / Politik

Stimmen in Peru ausgezählt: Castillo und Fujimori in der Stichwahl

Die peruanischen Wähler werden sich zwischen der Linken und der Rechten entscheiden müssen. Zehn Parteien im Parlament vertreten

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Pedro Castillo und Keiko Fujimori
Pedro Castillo und Keiko Fujimori

Lima. Laut der letzten Auszählung des Nationalen Büros für Wahlprozesse (ONPE) ziehen der Sozialist Pedro Castillo (Freies Peru, PL, 19 Prozent) und die Rechtspopulistin Keiko Fujimori (Volkskraft, FP, 13 Prozent) in die Stichwahl ein. Der Ultrarechte Rafael López Aliaga (Volkserneuerung, RP), der knapp zwölf Prozent der Stimmen erhielt, bat das ONPE um eine Neuauszählung.

Die Wahlen vom 11. April haben eine breite Fragmentierung der Stimmen gezeigt, wobei die beiden führenden Präsidentschaftskandidat:innen zusammen gerade einmal 32 Prozent erreichten. In der Stichwahl stehen sich zwei völlig gegensätzliche Visionen von Staat gegenüber – und das in einer Zeit, in der die Corona-Pandemie eine schwere soziale Krise verursacht.

Castillo (PL) ist Lehrer an einer Grundschule in seiner Heimatprovinz Chota, Region Cajamarca. Im Jahr 2017 war er eines der sichtbarsten Gesichter des größten Lehrerstreiks während der Regierung von Pedro Pablo Kuczynski. Obwohl Castillo in der peruanischen Hauptstadt wenig bekannt ist, ist er kein Außenseiter: Er erhielt in 16 Departamentos die meisten Stimmen und schlug damit die Kandidatin Keiko Fujimori, die in nur sieben Departamentos den ersten Platz belegte.

Andererseits hat seine Gegnerin Fujimori (FP) den Vorteil, sowohl in den ländlichen Gebieten als auch in den Großstädten des Landes bekannt zu sein. Es ist sogar das dritte Mal, dass die Kandidatin es in die Stichwahl schafft. Bei den anstehenden Stichwahlen am 6. Juni könnte ihr indes schaden, dass Korruptions- und Geldwäschevorwürfe sie belasten.

Mit Blick auf den zweiten Wahlgang ist absehbar, dass die Kandidat:innen die Unterstützung derjenigen suchen werden, die nach ihnen die meisten Stimmen im ersten Wahlgang erhalten haben. Es wird spekuliert, dass Fujimori eine Art Front zur Verteidigung des aktuellen Staatssystems bilden wird, zusammen mit den Rechtskandidaten Hernando de Soto (Voran mit dem Land, Avanza País) und Rafael López Aliaga (RP). Castillo (PL) würde seinerseits versuchen, sich mit den Wählern zu verbünden, die für die Links-Kandidatin Verónika Mendoza (Gemeinsam für Peru, JP) und den Mitte-rechts-Kandidaten Yonhy Lescano (Volksaktion, AP) gestimmt haben. Die große Herausforderung für die Stichwahl wird zweifellos darin bestehen, einen attraktiveren Vorschlag für eine größere Anzahl von Peruanern zu finden.

Hinsichtlich der Kongresswahlen zeigt die Stimmenauszählung, dass die zehn meistgewählten Kandidat:innen aus Lima kommen und folgende Parteien vertreten: Lilapartei (Partido Morado, PM: 3), Volkserneuerung (RP: 3), Wir können’s Peru (Podemos Perú, PP: 2) und Wir sind Peru (Somos Perú, SP: 1). An der Spitze des Rankings steht der abgesetzte Präsident Martín Vizcarra (SP) mit über 165.000 Stimmen. Vizcarra (SP) hat sich seinen Sitz im Parlament jedoch noch nicht gesichert. Der aktuelle Kongress debattiert in diesen Tagen über seine mögliche Disqualifikation aufgrund laufender Verfassungsbeschwerden gegen ihn.

Im Kongress erhält Pedro Castillos Partei PL 37 von 130 Sitzen und bildet damit die größte Fraktion. Zusammen mit JP (5) schafft es die Linke allerdings nur auf 42 Mandate. 24 Abgeordnete wird die zweitgrößte Fraktion, Keiko Fujimoris FP, stellen. Die Rechte kommt damit gemeinsam mit den Fraktionen RP (13) sowie Avanza País (7) auf 44 Parlamentarier:innen. Die ehemals größte Fraktion, die AP, verliert 8 Sitze und wird mit 17 Stimmen drittstärkste Kraft. Dennoch sind die Zentrumsparteien insgesamt mit 44 Abgeordneten vertreten. Es bleibt abzusehen, wie sich diese gegenüber einer potenziellen Links- oder Rechtsregierung verhalten werden. Trotz Fünf-Prozent-Hürde sind dieses Mal ganze zehn Parteien ins Parlament eingezogen.

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