Schweinefleischproduktion für China sorgt für Konflikte in Argentinien

Proteste gegen geplante Ausweitung der Massentierhaltung. Agroindustrie will jährlich 900.000 Tonnen Schweinefleisch produzieren

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Die Proteste in Argentinien gegen die Massenproduktion von Schweinefleisch nehmen zu
Die Proteste in Argentinien gegen die Massenproduktion von Schweinefleisch nehmen zu

Buenos Aires/Resistencia. Argentinien erhöht derzeit seine Produktion von Schweinefleisch. Damit soll vor allem der chinesische Markt bedient werden.

2021 sollen die Exporte auf 45.000 bis 50.000 Tonnen ansteigen, sagt der Generaldirektor des Konsortiums der Schweinefleischexporteure Argenpork, Guillermo Proietto. Dies bedeutet eine Zunahme von mehr als 5.000 Tonnen gegenüber dem Vorjahr. Für ein weiteres Wachstum stünde jedoch nicht die notwendige Infrastruktur bereit, weshalb der Sektor auf den Abschluss des in Verhandlung befindlichen Investitions- und Exportabkommens mit China drängt.

Informationen über das geplante Abkommen mit dem asiatischen Land drangen erstmals im Juli des Vorjahres an die argentinische Öffentlichkeit.

Innerhalb von zwei bis drei Jahren sollen mit Unterstützung chinesischen Kapitals rund 3,5 Milliarden US-Dollar in den Schweinefleischsektor investiert werden. Damit sollen landesweit 25 Schweinefarmen samt Kühlhäusern errichtet werden. Chinesische Unternehmen könnten eigene Anlagen bauen, mit argentinischen Produzenten zusammenarbeiten oder lediglich für die Finanzierung sorgen, ohne in den Produktionsprozess einzugreifen. Ziel ist die Produktion von 900.000 Tonnen Schweinefleisch jährlich.

Seit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest im Jahr 2018 ist China von Exporten aus dem Ausland abhängig. Damals mussten mehr als eine Million Schweine notgeschlachtet werden. Seither versucht das asiatische Land, strategische Partnerschaften mit internationalen Handelspartnern zu schließen.

Das Bekanntwerden der Verhandlungen führte indes zu massiven Protesten von Umweltorganisationen und sozialen Bewegungen. Die argentinische Regierung sah sich daraufhin gezwungen, einen separaten Abschnitt zu Umweltthemen in den Entwurf aufzunehmen. Dieser befindet sich derzeit auf chinesischer Seite in Begutachtung, weshalb sich der Abschluss des Abkommens auf unbestimmte Zeit verzögert.

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Unabhängig von einem Übereinkommen auf nationalstaatlicher Ebene kommt es bereits jetzt zu bilateralen argentinisch-chinesischen Kooperationen. So einigte sich die Provinz Chaco im Vorjahr mit chinesischen Investoren auf die Errichtung von drei Schweinefleischfabriken. Ähnliche Verhandlungen in der Provinz Córdoba sind bereits weit fortgeschritten.

Tierschützer:innen, Umweltorganisationen und soziale Bewegungen üben scharfe Kritik an dem geplanten Abkommen und der Ausweitung der Massentierhaltung. Sie verweisen etwa auf die zunehmenden Treibhausgas-Emissionen und den massiven Wasserbedarf, nicht nur für die Versorgung der Tiere, sondern auch für die Reinigung der Ställe.

Die Journalistin Soledad Barruti betont zudem die Rolle der Fleischfabriken als Brennpunkte für die Verbreitung von Seuchen. "Es ist verrückt, auf das Agrobusiness als Lösung für sämtliche Probleme zu setzen. Wir würden riesige Schweinestädte errichten, die eine unerhörte Menge an Ressourcen verbrauchen würden."

Cristina Rodrigo von der Organisation Proveg erinnert in einem Artikel in der Zeitung El País an die Erfahrungen, die man in Spanien mit der Rolle als Schweinfleischexporteur für China gemacht hat. Eine der sichtbarsten Umweltkonsequenzen der Massentierzucht sei dort die Wasserverschmutzung durch Jauche. Auch soziale Folgen wie eine zunehmende Entvölkerung des ländlichen Raums seien zu beobachten. Die Massentierzucht in Tierfabriken schaffe nämlich nur eine relativ geringe Anzahl von Arbeitsplätzen. Gleichzeitig gingen durch die Verdrängung anderer landwirtschaftlicher Nutzungsformen zahlreiche Arbeitsplätze verloren.

Die Wirtschaftszusammenarbeit mit China wird indes auch über den Landwirtschaftssektor hinaus von immer mehr Sektoren in Argentinien kritisch betrachtet. Die Volksrepublik mischt in der Ausbeutung von Bodenschätzen wie etwa Lithium verstärkt mit. So würde ein extraktivistisches Wirtschaftsmodell verfestigt, das auf die Produktion weniger Rohstoffe setzt und sich zugleich in starke Abhängigkeit ausländischer Interessen begibt. Die direkte oder indirekte Folge davon sei die zunehmende Umweltzerstörung, wie sie zuletzt etwa in den verheerenden Flächenbränden in einigen Provinzen zum Ausdruck kamen (amerika21 berichtete).

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