Mexiko / Menschenrechte

Mexiko: Aufklärung im Fall der verhafteten Studierenden in Chiapas gefordert

Familienangehörige fordern die Freilassung aller Studierenden von Mactumactzá

Familienangehörige fordern die Freilassung aller Studierenden von Mactumactzá
Familienangehörige fordern die Freilassung aller Studierenden von Mactumactzá

Chiapas. Umfassende Untersuchungen der Geschehnisse und speziell des möglichen sexuellen Übergriffs bei der Inhaftierung von Studierenden – das fordern das Büro des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte in Mexiko sowie die Nationale und auch die Interamerikanische Menschenrechtskommission. Vergangenen Dienstag wurden im Zuge von Protesten laut offiziellen Angaben 74 weibliche und 21 männliche Personen festgenommen, die die ländliche Schule Mactumactzá besuchen.

Hintergrund der Proteste, bei denen die Mautstelle der Verbindungsstraße zwischen der Hauptstadt des Bundesstaates Chiapas, Tuxtla Gutiérrez, und San Cristóbal blockiert wurde, war die Entscheidung der Landesregierung, Zulassungsprüfungen zum Studium für den nächsten Zyklus digital durchzuführen. Laut Studierenden würde dies nicht berücksichtigen, dass viele Bewerber in ländlichen Gebieten mit eingeschränktem Internetzugang leben. Sie würden folglich eine Benachteiligung erfahren. Nach vermeintlicher Eskalation der Proteste erfolgte am 18. Mai die Festnahme von 95 Demonstrierenden. Dabei entkleideten und überprüften die Polizeikräfte des Bundesstaates Chiapas Geschlechtsteile der Studentinnen. Dies teilten die Familienangehörigen der Betroffenen mit. Die Festgenommenen wurden ins Gefängnis El Amate überführt. Ihnen wird unter anderem Aufstand und Raub vorgeworfen.

Familienangehörige, Lehrer und andere organisierten sich daraufhin zu einem Protestmarsch und forderten vor Ort die Freilassung der Jugendlichen. Daraufhin wurden die 72 Frauen freigelassen.

Die Aufrechterhaltung der Blockade ist geplant, bis die restlichen Studierenden das Gefängnis verlassen dürfen.

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Anschuldigungen wurden laut, dass im Zuge der Verhaftungen Personen verschwunden gelassen wurden. Während die Staatsanwaltschaft von Chiapas von 95 Verhafteten sprach, wiesen Begleiter der Festgenommenen darauf hin, dass neben 93 Studierenden der Schule Mactumactzá auch vier Indigene an den Protesten teilnahmen. Die Nationale Menschenrechtskommission äußerte Besorgnis, dass mindestens 54 Personen als verschwunden gelten.

Die Ereignisse rufen Erinnerungen an das Verschwindenlassen der 43 Lehramtsstudenten von Ayotzinapa hervor. Protestmärsche wurden daher unter der Forderung organisiert, dass Mactumactzá kein zweites Ayotzinapa werden dürfe.

Am 26. Mai sind 80 Monate seit diesem Geschehnis vergangen. Vor wenigen Tagen starteten Familienangehörige eine Kampagne zur erneuten Suche nach den 43 Verschwundenen. Im Rahmen der Ermittlungen selbst konnten vor kurzem neue Informationen gesammelt werden, so der Anwalt der Angehörigen. In der Müllhalde des Dorfes Tepecoacuilco wurden kleine Knochenreste gefunden, die nun untersucht werden würden. Außerdem hätten sich mögliche Informanten gemeldet, die über Wissen zu den Geschehnissen verfügen könnten.

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