US-Blockade führt in Kuba zu Mangel an Spritzen für Corona-Impfungen

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Plakat der Kampagne in Chile
Plakat der Kampagne in Chile

Havanna/Washington/Bochum. Im Zusammenhang mit der ambitionierten Impfstrategie für die gesamte Bevölkerung Kubas mit den eigenen fünf Vakzinen zeichnet sich derzeit ein problematischer Engpass ab: Das Land braucht dafür noch etwa 20 Millionen Spritzen, um die Impfung abzuschließen.

Der stellvertretende Direktor des Finlay Vaccine Institute (IFV), Yuri Valdes Balbi, erklärte bei einer Sitzung des Parlaments am vergangenen Freitag: "Es muss gesagt werden, dass wir nicht mehr Kubaner geimpft haben, weil wir nicht die Mittel hatten, mehr Impfungen durchzuführen. Damit das aller Welt klar ist." Der Wissenschaftler prangerte an, dass die Kampagne zur Immunisierung der Bevölkerung nicht wie gewünscht vorankommt, "weil wir nicht die Ressourcen haben, weil diese Ressourcen blockiert werden". Mit feiner Ironie sagte er, dass, wenn US-Präsident Joe Bidens Regierung "vielleicht keine Zeit hat, die gesamte Politik gegenüber Kuba zu überprüfen", dann sollten aber doch die Maßnahmen untersucht werden, die alle Kubaner betreffen, die wegen Covid in Krankenhäuser eingeliefert werden müssten. Valdes bezieht sich damit auf die Tatsache, dass Biden bislang sämtliche Blockademaßnahmen und zusätzlichen Sanktionen gegen Kuba, die von Vorgänger Donald Trump verhängt worden sind, in Kraft lässt, darunter auch solche, die die Importe medizinischer Mittel verhindern, sehr erschweren, verteuern und verzögern.

Aus diesem Grund sind seit einigen Wochen mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen und Solidaritätsgruppen in zahlreichen Ländern engagiert, um die benötigte Anzahl von Spezialspritzen für Kuba zu besorgen. So werden unter anderem in den USA, Chile, Argentinien, Uruguay, Honduras, Spanien, Großbritannien, Italien, der Schweiz und Deutschland Spenden akquiriert. Das kubanische Gesundheitsministerium hat im Ausland zehn Millionen Spritzen und Nadeln im Gesamtwert von 800.000 Euro bestellt, die mit dieser aktuellen Spendenkampagne und durch einen Beitrag der Schweizer Botschaft in Kuba finanziert werden sollen.

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In Europa wird diese Kampagne vor allem durch das Solidaritätsnetzwerk "MediCuba-Europa“ vorangetrieben und in Deutschland koordiniert sie die Humanitäre Cubahilfe in Bochum.

In den USA sind mehrere Organisationen engagiert, wie "Saving Lives Campaign", "Global Health Partners" und "Code Pink", die versuchen, drei Millionen Spritzen finanzieren und nach Kuba senden zu können.

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