Identifizierter bewaffneter Zivilist in Kolumbien unbehelligt von Polizei

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Der Abgeordnete Iván Cepeda veröffentlichte wiederholt Fotos, die zeigen, wie die Polizei bewaffnete Zivilisten gewähren lässt
Der Abgeordnete Iván Cepeda veröffentlichte wiederholt Fotos, die zeigen, wie die Polizei bewaffnete Zivilisten gewähren lässt

Cali. Ein zivil gekleideter Bewaffneter, der bei einem Protestgeschehen in der kolumbianischen Stadt Cali in die Luft feuert, ist identifiziert worden.

Ein Video über den Vorfall am 28. Mai verbreitete sich über die sozialen Medien und wühlt die kolumbianische Bevölkerung auf. In diesem sieht man einen schwarz gekleideten Mann mit einem Tuch vor dem Gesicht, der eine Waffe trägt und Schüsse in die Luft abfeuert. Die Filmenden rufen laut: "Sie bedrohen uns und sie schießen auf uns!", und sie rufen dem bewaffneten Zivilisten zu: "Die Presse ist hier, die Presse ist hier!" Das hielt den Mann nicht davon ab, weitere Schüsse abzufeuern. Im Hintergrund sind Angehörige der Polizei zu sehen, die trotz Hilferufe nicht einschreiten.

Mehrere einflussreiche Twitter- und YouTube-Nutzer widmeten sich der Analyse des Videos. Der Friedensaktivist und Influencer Beto Coral veröffentlichte auf seinem Twitter-Account den Namen des Bewaffneten und schrieb: "Identifizierter Paramilitär in Cali. Da die Polizei und auch die Staatsanwaltschaft nichts unternehmen, müssen wir den Vorfall aufdecken. Sein Name lautet: Andrés Escobar, und er ist kein Angehöriger der Polizei. Er ist ein bewaffneter Zivilist, den die kolumbianische Polizei beschützt und ihm Rückendeckung gibt." Den Beitrag ergänzte er durch ein Erklär-Video, welches inzwischen mehr als 278.340 aufgerufen wurde. Coral und seine Familie empfingen nach der Veröffentlichung seines Posts mehrere Todesdrohungen.

Escobar ist ein in Cali ansässiger Unternehmer. Er leitet die Firma Media Advertising, deren Aufschrift auf seiner Kleidung am Tag des Ereignisses zu sehen ist.

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Der Vorfall erlangte schnell landesweite Bekanntheit. Der Kongressabgeordnete Iván Cepeda Castro empörte sich öffentlich und fragte auf Twitter: "Und was wird der verlogene Justizminister Wilson Ruiz zu diesen Bildern sagen? Dass sie Teil der 'internationalen Verschwörung' sind?“ und fügte ein Foto des Vorfalltages bei, welches den bewaffneten Escobar in der Umgebung von Polizisten zeigt.

Alejo Vergel, ein anderer bekannter YouTuber veröffentlichte eine tiefere Analyse der Situation und dessen Folgen. Er weist darauf hin, dass Escobar auch nach seiner öffentlichen "Entschuldigung" sich dafür ausspricht, dass sich in Cali bewaffnete Gruppen bilden, um "ihr Eigentum zu verteidigen".

Tatsächlich präsentierte sich der Unternehmer in seinem öffentlichen "Entschuldigungs-Video" als "Patriot Calis", der das Privateigentum der Gemeinschaft verteidigt und eine nahe gelegene Polizeistation vor "Vandalismus beschützt" habe.

Er bekräftigte, "ein guter Mensch" und kein Paramilitär zu sein. Zuletzt richtete er das Wort direkt an den YouTuber Coral und stellte klar, dass er diesen wegen seiner Behauptungen, er sei ein Krimineller und ein Paramilitär, wegen Verleumdung anzeigen werde.

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