Die zapatistische Delegation in Madrid: "Ihr habt uns nicht erobert!"

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"Sie haben uns nicht erobert", Transparent bei der Demonstration in Madrid am 13. August 2021
"Sie haben uns nicht erobert", Transparent bei der Demonstration in Madrid am 13. August 2021

Madrid. Bei der Abschlusskundgebung einer Demonstration hat die zapatistische maritime Delegation, das "Escuadrón 421", am 13. August am Denkmal von Kolumbus im Zentrum der spanischen Hauptstadt ihr aktuelles Kommuniqué vorgetragen.

Die vier Frauen, zwei Männer und eine nicht-binäre Person sprachen im Namen der zapatistischen Gemeinden im mexikanischen Bundesstaat Chiapas,  wo sie vom Staat seit Jahrzehnten diskriminiert würden: "Wir sind die Fremden, die Unerwünschten, die Unpassenden auf demselben Boden, den unsere Vorfahren kultiviert haben", prangerte Bernal, einer der zwei Männer der Delegation an.

Die Maya-Indigenen nannten den Grund für ihre Reise: "Wir kommen, um Euch zuzuhören". Denn obwohl die Unterschiede zwischen den Menschen zahlreich seien, gebe es etwas, dass alle gemeinsam haben, "und das ist die Wut, der Widerstand. Die Erdbeben, die die Menschheitsgeschichte erschüttern, beginnen mit einem isolierten, kaum wahrnehmbaren 'Es reicht!'. Ein unharmonischer Ton mitten im Lärm. Ein Riss in der Wand", sagte Ximena, eine der vier zapatistischen Frauen.

Die Delegierten bedankten sich für die Solidarität zahlreicher Kollektive aus Spanien und anderen europäischen Ländern, die sich der Protestaktion "Ihr habt uns nicht erobert – wir geben nicht Auf", 500 Jahre des Beginns des Indigenen Widerstandes, angeschlossen haben.

Vor genau 500 Jahren, 1521, haben die spanischen Eroberer den Untergang von Tenochtitlán, heute Mexiko-Stadt, besiegelt. Die Zapatisten wollten mit der Aktion zeigen, dass, entgegen der staatlichen Auffassung, die Eroberung Mexikos ein abgeschlossener historischer Fakt sei, die indigenen Gemeinden bis heute für ihre Territorien, ihre Rechte und ihre Freiheit kämpfen.

Die Rede des "Escuadrón 421" war der Höhepunkt der Demonstration, die um 20:30 Uhr an der Puerta del Sol begann. Dort stiegen die Zapatisten auf eine fahrbare Karavelle, die in einer allegorischen Anlehnung an die Karavelle von Christoph Kolumbus gestaltet wurde und den Demonstrationszug über die Hauptstraßen von Madrid bis zum Denkmal von Kolumbus anführte. 

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Zapatistische Karavelle bei der Demonstration
Zapatistische Karavelle bei der Demonstration

Unterwegs warfen sie Papierflugzeuge in die Luft als Symbol für die bis jetzt nicht ermöglichte Einreise der "Delegación Extemporánea" (Unpassende Delegation), der zweiten und größten zapatistische Delegation, die nach Europa kommen will. Das mexikanische Außenministerium weigert sich aber bis heute, die Reisepässe auszustellen, obwohl die Maya-Indigenen nach eigenen Angaben die vollständigen Unterlagen vorgelegt haben.

An der Spitze der Demonstration befanden sich Mitglieder der Gewerkschaft der Manteros1 und der Mapuche-Gemeinschaft. Mit Bannern wie "Das Wasser gehört dem Volk", und "Okupa, widerstehe und kämpfe" brachten sie zusammen mit den mehr als tausend Demonstranten aus Europa und Amerika ihre Wut gegen die neoliberale Politik ihrer Länder zum Ausdruck.

Die Zapatisten wollen auf ihrer "Reise für das Leben" die fünf Kontinente bereisen. Die erste Station ist Europa, wo das Escuadron 421 am 22. Juni in Vigo, Galizien, nach mehr als 52 Tagen auf hoher See ankam und Europa als "Slumilk’ ajxemk’op" definierte, das übersetzt aus der Maya-Sprache Tzotzil "das rebellische und unüberwindbare Land" bedeutet.

  • 1. Der Begriff Manteros kommt von dem Wort 'Manta' (Decke). Die illegalen Straßenverkäufer aus Afrika benutzen diese Decke um Piratenkopien von Markentaschen für den Verkauf darauf zu stellen. Seit 2018 haben sie eine Gewerkschaft gegründet, mit dem Ziel ihre Situation zu legalisieren. Mittlerweile betreiben sie eigene Läden in Barcelona und Madrid, wo sie ihre Sachen verkaufen dürfen. Serigne Mbayé, Gewerkschaftsmitglied und damaliger Pressesprecher, schloss sich 2021 de Partei Podemos an
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