Volkswachen in Kolumbien verstärken ihre Zusammenarbeit

Afrokolumbianische-, indigene- und bäuerliche "Guardias" setzen sich für Selbstschutz und Autonomie der Gemeinschaften von unten ein

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In  Kolumbien haben sich verschiedene Volkswachen entwickelt
In Kolumbien haben sich verschiedene Volkswachen entwickelt

Cali. Bei der zweiten Nationalen Popularen Versammlung (Asamblea Nacional Popular, ANP) haben die Volkswachen in Cali zusammen mit den "Ersten Linien" (Primeras Líneas) für die Sicherheit der Teilnehmer:innen gesorgt. Das Informationsportal Colombia Informa hat vor Ort mit Sprecher:innen verschiedener Guardias gesprochen.

Zu diesen gehörte Manuel Correa, ein Aktivist aus der Gemeinde Ríosucio in der Region Bajo Atrato (Departamento del Chocó), der in diesem Gebiet eine Führungsposition innerhalb der afrokolumbianischen Wache (Guardia Cimarrona) einnimmt. Diese hat ihren Ursprung in der Schwarzen Bevölkerung, die sich während der Kolonialzeit von ihrem Sklaven-Status befreit hat und nach San Basileo Palenque in der Nähe von Cartagena im Departamento de Bolívar geflohen ist, um von dort aus ihren Kampf weiterzuführen.

Die Polizei, die Guerilla, die Paramilitärs hätten alle ihre Ideologien, diese seien jedoch weit entfernt von der Weltanschaung der Schwarzen Bevölkerung, so Correa. Die Tätigkeit der Wache helfe mit, das überlieferte Wissen der Schwarzen Gemeinschaften zu retten. Im Chocó, wo verschiedene bewaffnete legale und illegale Akteure wirken und es Probleme mit Korruption, Enteignungen und Verletzungen von Menschenrechten gebe, sei die Arbeit der Guardia Cimarrona jedoch mit Risiken behaftet und es gebe Angriffe, Bedrohungen und Morde.

Auch die bäuerlichen Wachen (Guardias Campensinas) setzen sich für die Rechte ihrer Gemeinschaften ein, berichtete David Donado. "Im Departamento del César kann nur ein Prozent der ländlichen Bevölkerung an einer Universität studieren, wir haben keine Gesundheitsversorgung", sagte Donado, Mitglied der Bewegung der Landarbeiter:innen im César und einer der Sprecher der Guardia Campensina im Departamento.

César ist eines der Departamentos, welches sehr viel Kohlevorkommen aufweist. Für die Guardias Campensinas sei deshalb der Kampf gegen den Extraktivismus an der Tagesordnung, so Donado. Die aktuelle Regierung stigmatisiere diesen Widerstand, die Repression gegen die Mitglieder der Wache verschärfe sich.

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Laut dem Institut für Entwicklungs- und Friedensstudien (Indepaz) wurden im Jahre 2020 insgesamt 310 Aktivist:innen ermordet, davon waren 89 bäuerlicher und 19 afrokolumbianischer Herkunft.

Auch die indigene Wache (Guardia Indígena) spielt seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle. "Die Volksmacht der Guardia ergibt sich durch den Schutz meiner Umgebung, meines Kameraden, meiner Nachbar:innen", sagte Daniela León, eine junge Frau, die der Wache des Indigenen Regionalrats des Cauca (Consejo Regional Indígena del Cauca, CRIC) angehört. Dadurch, dass die Aktivist:innen bedroht würden und die "Mutter Erde" in Gefahr ist, sei es notwendig geworden, die indigene Wache zu stärken. Es seien immer mehr Frauen, die bei der Guardia im Cauca mitmachten, so León.

Für die afrokolumbianischen, indigenen und bäuerlichen Guardias war es eine große Überraschung zu sehen, wie weitere Wachen wie die Primeras Lineas entstanden seien, so Correa von der Guardia Cimarrona. Es sei schön, hier die Akzeptanz aller Leute zu sehen, die Teil der popularen Bewegung sind.

Sie hoffen, erstmals in den nächsten Monaten eine landesweite Versammlung der Guardias und Primeras Lineas durchzuführen. Angesichts des aktuellen humanitären Kontextes sollen nationale und lokale Vorschläge ausgearbeitet werden.

Laut der unabhängigen Nichtregierungsorganisation "Die Freiheit verteidigen" (Defender la Libertad) wurden zwischen dem 28. April, dem Beginn des landesweiten Streiks,  und dem 30. Juni dieses Jahres 84 getötete Personen, 106 geschlechttsspezifische Gewaltakte sowie 1.790 verwundete und 3.274 verhaftete Personen gezählt.

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