Kolumbien hat nach Myanmar die meisten Toten bei Protesten weltweit

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Auf der Mauer hinter der Polizei steht das Wort "Mörder"
Auf der Mauer hinter der Polizei steht das Wort "Mörder"

Bogotá. Alle 36 Stunden haben Angehörige von bewaffneten Zivilgruppen oder der Polizei im ersten Monat der "sozialen Explosion" in Kolumbien eine protestierende Person getötet. Nur ein Land übertraf diese Zahl, nämlich Myanmar mit sieben Toten pro Tag. Zu dieser Erkenntnis kam ein Bericht der kolumbianischen Sonderjustiz für den Frieden (JEP). Die Tötungshäufigkeit könnte jedoch noch höher sein, weil die JEP-Studie auf den offiziellen Angaben des Ombudsmanns basiert. Dieser hat weniger Tote als unabhängige Menschenrechtsorganisationen registriert.

Nicht nur im Vergleich zur Repression in anderen Ländern hat Kolumbien einen Rekord gebrochen: Laut der JEP handelt es sich um den Aufstand "mit den meisten Ermordeten in der jüngsten Geschichte des Landes". Damit vergleicht sie die staatliche Gewalt in der "sozialen Explosion" mit der Repression in den größten Protestwellen der letzten 50 Jahre.

Mittlerweile meldet die Menschenrechtsorganisation "Die Freiheit verteidigen" (Defender La Libertad) 84 Getötete und 75 Verschwundene seit dem 28. April. 1.780 Menschen hat die Polizei demnach verletzt, 114 davon mit Feuerwaffen. Die Aufstandsbekämpfungseinheit der Polizei (Esmad) hat 84 Jugendlichen ein Auge ausgeschossen und 3.274 Personen sind festgenommen worden.

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Weiterhin stellt die JEP fest, dass der Paramilitarismus in 27 Städten wieder aufgelebt ist. Dabei gehe es um Gewalttaten von "bewaffneten Zivilgruppen" gegen Protestierende, sowie um die Veröffentlichung von Videos, die dem Paramilitarismus huldigen und zum Mord an Teilnehmer:innen des Generalstreiks aufrufen. Auch Graffitis von paramilitärischen Organisationen seien seit April vermehrt auf den Wänden der Städte erschienen.

Aggressionen gegen Zivilist:innen wie Todesdrohungen, Morde an Ex-Kämpfer:innen der Farc und Vertreibungen sind im Vergleich zu den vergangenen Jahren um 400 Prozent gestiegen, beobachtet die JEP außerdem.

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