LGBTIQ-Personen in Honduras besonders gefährdet

Wenig Strafverfolgung bei Hassverbrechen, Straflosigkeit liegt bei 90 Prozent. LGBTI*-Organisationen aktiv für den Schutz und die Rechte der Gemeinschaft

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Bessy Ferrera wurde am 8. Juli 2019 in Tegucigalpa erschossen
Bessy Ferrera wurde am 8. Juli 2019 in Tegucigalpa erschossen

Tegucigalpa. Honduras ist eins der gefährlichsten Länder für Mitglieder der LGBTI*-Gemeinschaft. Seit August 2009 wurden 389 Morde an LGBTI* registriert. Von den Fällen wurden jedoch lediglich 89 strafrechtlich verfolgt. 90 Prozent der Taten bleiben unbestraft. Die Zahlen der Hassverbrechen ohne tödlichen Ausgang sind weitaus höher. Besonders Transfrauen und schwule Männer sind stark betroffen und massiver Gewalt ausgesetzt.

Eine verbreitete Straflosigkeit von Verbrechen gegen LGBTI*-Personen beobachtete auch die Interamerikanische Menschenrechtskommission, ein 1959 gegründetes, unabhängiges Organ der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS). Selbst bei der polizeilichen Meldung von Hassverbrechen können sich die Überlebenden nicht sicher fühlen. Sie berichten von Diskriminierungen auf der Polizeistation bis hin zu Folter durch die Polizei und Vergewaltigungen unter Gewahrsam. "Wir werden ausgegrenzt, diskriminiert, gedemütigt, vergewaltigt und ermordet", prangert Paola Flores von der LGBTI* Organisation Arcoíris (Regenbogen) an.

Im Juli errichtete die Plattform Right Here Right Now einen Notfallfonds für Soforthilfen von stark Betroffenen, benannt nach der Aktivistin Bessy Ferrera. Ferrera wurde im Juli 2019 erschossen. Bei einem bereits zuvor erfolgten Angriff, den sie nur knapp überlebte, hatte ein Kunde ihr nach dem Sex den Hals aufgeschnitten. Gemeinsam mit Paola Flores, die Anfang 2020 einen Schusswaffenanschlag überlebte (amerika21 berichtete), engagierte sie sich bei Arcoíris, schuf empowernde Schutzräume für die queere Gemeinde und klärte andere LGBTI* über ihre Rechte auf: "Kaum jemand von uns weiß genau, was für Rechte wir haben. Was frau nicht weiß, kann sie auch nicht verteidigen". Die sich selbst so nennenden Muñecas del Arcoíris (Regenbogenpuppen) versuchten 2019 einen symbolischen Musterprozess vorzubereiten, der als Leitfaden zeigen sollte, wie die Justiz agieren müsse.

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Indyra Mendoza ist Koordinatorin des Lesbennetzwerks Cattrachas und setzt sich für die justizielle Aufarbeitung der Gewaltverbrechen ein. Sie fordert die Behörden dazu auf, die hohe Rate der Straflosigkeit zu untersuchen. Dabei unterstützt sie auch das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte. Kürzlich begleitete Mendoza Anhörungen vor einem US-Gericht, bei denen derzeit 16 Personen Asyl mit der Begründung der Gefahr für ihr Leben wegen ihrer sexuellen Orientierung beantragten.

Selbst unter den Jüngeren und in den Universitäten der Hauptstadt ist Homosexualität noch ein Tabuthema, berichtete ein junger, offen homosexuell lebender Student in Tegucigalpa, der Hauptstadt des Landes. "Unsere Rektorin hat mich heute als Bodensatz der Toilette bezeichnet – vor all den anderen Schülern. Nur weil ich schwul bin", sagte er in einem gemeinsamen Interview mit seinem Partner. Das Paar setzt sich für die Rechte der LGBTI* ein. Beide erklärten, dass sie nicht im Land bleiben könnten, dafür sei die ständige Diskriminierung und Angst vor Gewaltverbrechen zu groß.

Obgleich die rechtliche Lage in Honduras vergleichsweise liberal ist, Homosexualität und Trans-sein ist zumindest nicht strafbar, fliehen viele Angehörige der LGBTI* in andere Länder. Sie werden in dem mittelamerikanischen Land stark diskriminiert, von der eigenen Familie ausgegrenzt und finden nur selten Arbeit. Viele sehen sich deswegen gezwungen, in der Prostitution tätig zu sein: "In Honduras hat man als Transfrau keine Chance auf einen regulären Job. Was bleibt, ist für viele von uns nur die Prostitution", berichtete Bessy Ferrera in einem Interview kurz vor ihrer Ermordung.

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