Entführte Zapatistas frei, EZLN warnt vor Bürgerkrieg in Chiapas

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Die EZLN berichtet über zunehmende Spannungen im mexikanischen Bundesstaat Chiapas
Die EZLN berichtet über zunehmende Spannungen im mexikanischen Bundesstaat Chiapas

Ocosingo, Chiapas. Zwei entführte Zapatistas sind am Sonntag nach Vermittlung der katholischen Kirche wieder freigekommen. José Antonio Sánchez Juárez und Sebastián Núñez Pérez, Mitglieder eines "Rates der Guten Regierung" der zapatistischen Bewegung im mexikanischen Bundesstaat Chiapas, waren acht Tage lang von der Regionalen Organisation der Kaffeebauern von Ocosingo (Orcao) in der Gemeinde Ocosingo festgehalten worden.

Im Zuge der Bemühungen zur Freilassung der beiden Führungsmitglieder der zapatistischen Autonomie hat die chiapanekische Regierung der Orcao Verhandlungen über Landforderungen zugesagt. Über die Strafverfolgung der Freiheitsberaubung oder ähnlicher gravierender Delikte habe sie sich jedoch ausgeschwiegen, kritisiert das Menschenrechtsnetzwerk Alle Rechte für alle (Red TDT).

Die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) reagierte auf das Geschehene mit einer geharnischten Stellungnahme: Die Orcao, eine "politisch-militärische Organisation paramilitärischen Zuschnitts", bewaffne sich mit den Geldern der Regierungsprogramme und beschieße damit das zapatistische Dorf Moises Gandhi, ebenfalls in Ocosingo gelegen. Weil die Regierung des Bundesstaates Chiapas "diese Verbrechen vertuscht, dazu ermuntert und nichts tut", werde die EZLN nun dazu übergehen, die für diese Verbrechen Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

In einer Abrechnung mit der Regionalregierung unter dem Gouverneur Rutilio Escandón von der Morena-Partei warnt Subcomandante Insurgente Galeano (ehemals Marcos) davor, dass Chiapas immer mehr in bürgerkriegsähnliche Zustände schlittere. Die Repression gegen soziale Bewegungen, die Bündnisse der Politik mit dem Drogenhandel, die Unterstützung paramilitärischer Gruppierungen und die "gewollt langsame und ungeordnete Impfpolitik" gegen Covid-19 destabilisierten den  Bundesstaat Chiapas. Im aktuellen Entführungsfall sei es der Regierung darum gegangen, die derzeit laufende Rundreise der zapatistischen Delegation durch Europa zu sabotieren.

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Morena ist die Partei des amtierenden Präsidenten von Mexiko, Andrés Manuel López Obrador.

Indes überrascht die EZLN mit einer politischen Einschätzung über die möglichen Hintergründe der Eskalation in Chiapas. Die lokale Politikerklasse, ehemals in der Partei der institutionalisierten Revolution PRI, heute zumeist mit der Fahne der Grünen Ökologistischen Partei Mexikos (PVEM), sei ein zweifelshafter Bündnispartner von Morena, so die EZLN. Sie seien als "5. Kolonne" innerhalb der Regierung von Präsident Andrés Manuel López Obrador einzuordnen, die das Projekt der Transformation Mexikos sabotieren wolle. "Falls sie die aktuelle mexikanische Regierung stürzen wollen (...) oder innerhalb einer der Fraktionen mitspielen wollen, die sich um die Regierungsnachfolge im Jahr 2024 streiten, dann sollen sie doch ihre legalen Kanäle, zu denen sie Zugang haben, nutzen und es sein lassen, mit Leben, Freiheit und Gütern der Menschen in Chiapas ihr Spiel zu treiben", warnt die EZLN.

Das Schreiben endet mit dem Aufruf, am 24. September in Mexiko und international vor den mexikanischen Botschaften und Konsulaten zu demonstrieren, mit der zentralen Forderung, die Provokationen gegenüber den zapatistischen Bewegung einzustellen. "Bei nochmaligem Geschehen wird es kein Kommuniqué geben. Das heißt: Es werden keine Worte sondern Taten folgen", warnt Subcomandante Galeano.

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