Aufklärungskampagne um den Tod des argentinischen Journalisten Moro in Bolivien

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Die internationale Kampagne "Gerechtigkeit für Seba Moro" startete am 6. Oktober
Die internationale Kampagne "Gerechtigkeit für Seba Moro" startete am 6. Oktober

Mendoza/La Paz. In Bolivien und Argentinien startet eine internationale Kampagne zur Aufklärung des Falls Sebastian Moro.

Die Familie des im Zuge des Militärputsches in Bolivien im November 2019 zu Tode gekommenen argentinischen Journalisten lud Anfang Oktober zu einer Pressekonferenz in La Paz ein, zu der zahlreiche internationale Journalist:innen via Telekonferenz zugeschaltet waren.

Eröffnet wurde die Pressekonferenz durch den argentinischen Botschafter in Bolivien, Ariel Basteiro. Dieser sicherte der Familie die Unterstützung seitens der Regierung von Alberto Fernández zu. Er ließ keinen Zweifel daran, dass für ihn der Fall in direktem Zusammenhang mit den Ereignissen rund um den Putsch steht. Es gehe "um die Einforderung von Menschenrechten und Demokratie in Bolivien sowie um die Aufklärung aller Morde, die in dieser tragischen Woche des 10. November und danach begangen wurden", so Basteiro.

Die Familie und Anwält:innen Moros kritisierten bei der Pressekonferenz erneut das Verhalten des damaligen, von der Regierung Mauricio Macri entsandten Botschafters in Bolivien, Normando Álvarez García. "Die diplomatischen Stellen Argentiniens verweigerten den Einsatz eines Sanitätsflugzeuges, um den Körper zu überstellen”, sagte Moros Mutter Raquel Rocchietti. Die Familie sah sich daher genötigt, den Leichnam einäschern zu lassen und die Asche selbst nach Argentinien zurückzubringen.

"Sebastián war der erste Journalist weltweit, der den Staatsstreich in Bolivien ankündigte und anprangerte", so Rocchietti. "Gleichzeitig ist er sein erstes Todesopfer."

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Moro starb am 16. November 2019 in einer Klinik in La Paz. Sieben Tage zuvor war er bewusstlos und mit deutlichen Spuren von körperlicher Gewaltanwendung in seiner Wohnung aufgefunden worden. Die Ereignisse, die später zum Tod führten, trugen sich am Vorabend des Putsches gegen die Regierung von Evo Morales am 10. November zu.

Ein externes ärztliches Gutachten stellte fest, dass die Hämatome und sonstigen Spuren an Moros Körper als Anzeichen von Folter zu werten seien. Ärzte der Klinik, in die das Opfer eingeliefert wurde, hatten der Familie davor jedoch abgeraten, eine Autopsie zu beantragen. Am selben 9. November, dem Tag, an dem Moro bewusstlos aufgefunden wurde, war zudem der Chef der Zeitung Prensa Rural, für die Moro arbeitete, nur knapp einer Lynchattacke entkommen.

Viviana Beigel, Anwältin der Familie Moro, sagte bei der Pressekonferenz: "Was mit Sebastián geschehen ist, ist ein Verbrechen gegen die Menschheit im Rahmen des Staatsstreiches in Bolivien." Es gebe "ausreichend Beweise, um davon auszugehen, dass der Tod weder infolge eines Unfalls noch aufgrund des Gesundheitszustands von Sebastián eintrat."

Beigel informierte außerdem darüber, dass der Fall bei den argentinischen Justizbehörden im Rahmen der universalen Rechtsprechung zur Anzeige gebracht wurde. Voraussetzung für die Eröffnung eines entsprechenden Verfahrens in Argentinien ist der Nachweis, dass die Behörden in Bolivien nicht mit der gebotenen Seriosität ermitteln. Bereits im Juli dieses Jahres hatte Beigel die Passivität der bolivianischen Justiz beklagt: "Der Fall wird als einfacher Mord eingestuft. Es wurde aber niemand verhaftet. Weder wurden Beweise sichergestellt, noch die Geschehnisse rekonstruiert. Die ganze Untersuchung läuft sehr unseriös."

Unter dem Hashtag #JusticiaPorSebaMoro wird die Justiz in Bolivien und Argentinien aufgefordert, seriöse Ermittlungen über die Umstände des Todes von Moro einzuleiten. Zugleich wird verlangt, den Fall als Verbrechen gegen die Menschheit zu werten. Mehr als 100 internationale Menschenrechtsorganisationen unterstützen die Kampagne.

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