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Brasilien: Mediziner:innen wird Zutritt zu Indigenen Gebieten verwehrt

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Der Hauptsitz der Stiftung Oswaldo Cruz (Fiocruz) in Rio de Janeiro
Der Hauptsitz der Stiftung Oswaldo Cruz (Fiocruz) in Rio de Janeiro

Manaus. Mitgliedern der wissenschaftlichen Stiftung Oswaldo Cruz (Fiocruz) wird von staatlicher Seite der Zutritt zu den Indigenen Gebieten der Yanomami verwehrt. Dabei bezieht sich die Nationale Stiftung der Indigenen (Funai) auf eine Verordnung vom März 2020, welche vorsieht, dass Indigene Gebiete vorerst nur im größten Notfall betreten werden dürfen. Corona, Malaria und Hunger verschlechtern die Situation der Indigenen jedoch zunehmend.

"Warum verbietet die Funai nicht den illegalen Goldgräbern den Zutritt? Warum dürfen Mediziner:innen der Fiocruz auf den Gebieten der Yanomami keine Untersuchungen durchführen? Es ist empörend und völlig absurd", beklagt Dário Kopenawa. Er ist Vizepräsident der Hutukara, der größten Organisation, welche die Yanomami repräsentiert.

Die Stiftung Fiocruz ist eine der größten Forschungsinstitutionen im Bereich Öffentliche Gesundheit mit Sitz in Rio de Janeiro. Ihre Mitglieder versuchten, Zutritt zu den Indigenen Gebieten zu erlangen, um über die Auswirkungen des illegalen Bergbaus auf die Gesundheit der Yanomami zu forschen. Zudem sollten mehr als 1.200 Indigene untersucht und medizinisch behandelt werden. Die Funai verwehrte dem Team den Zugang zum Schutze der Indigenen Gruppen vor Corona, so heißt es.

Dass Mediziner:innen und Forscher:innen keinen Zugang erhalten, während jedoch die Anzahl an illegalen Arbeiter:innen vor Ort immer weiter zunimmt, stößt bei der größten Indigenen Gruppe im Amazonas-Gebiet auf scharfe Kritik.

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Auch Paulo Basta, Forscher am Institut Fiocruz, kritisiert das Vorgehen der Funai. Basta war beteiligt an einer zuletzt durchgeführten Studie zur gesundheitlichen Situation der Yanomami. Die Studie zeigte auf, dass acht von zehn Kinder im Alter von bis zu fünf Jahren unterernährt sind.

Derweil bricht in den Indigenen Gebieten der Yanomami die medizinische Versorgung immer weiter zusammen. Nicht nur Hunger und Mangelernährung sind ein Problem, auch die Auswirkungen der Umweltverschmutzung durch illegale Arbeiter:innen bedroht ihre Existenz. Viele Indigene leiden unter Quecksilbervergiftungen. Zudem nehmen die Malariafälle zu. Zwei Kinder starben, da kein medizinisches Personal vor Ort war, das sie behandeln konnte. Insgesamt 44.000 Malaria-Fälle wurden in den letzten zwei Jahren bei den Yanomami verzeichnet. 

Die Yanomami leiden stark unter der Situation vor Ort. Zuletzt gab es immer wieder Berichte darüber, dass sie sich aus Verzweiflung auch an die illegalen Arbeiter:innen gewendet haben, um Hilfe anzufordern. Die Anführer der Indigenen Gruppen selbst hatten bereits vor drei Monaten das Fiocruz-Team zu sich eingeladen. Auch daher stößt die Entscheidung der Funai auf großes Unverständnis auf Seiten der Indigenen.

Der Oberste Gerichtshof (STF) forderte nun eine Stellungnahme der örtlichen Regierung zu den Geschehnissen auf den Gebieten der Yanomami. Die Stellungnahme steht allerdings noch aus.

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