Rodungen im Amazonasgebiet in Brasilien erreichen einen neuen Rekord

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Mit Satelliten-Technik dokumentiert die brasilianische Weltraumbehörde INPE die Entwaldung des Amazonas-Regenwalds
Mit Satelliten-Technik dokumentiert die brasilianische Weltraumbehörde INPE die Entwaldung des Amazonas-Regenwalds

Brasília. Wegen der verstärkten Abholzung im Amazonasgebiet hat Greenpeace Brasilien wieder Alarm geschlagen: Im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres 2021 ist die Zerstörung im Januar um mehr als 400 Prozent gestiegen. Dies ist ein neuer Rekord. Seit 2015 beobachtet das Institut für Weltraumforschung (Inpe) das Amazonasgebiet und gibt Warnungen heraus.

Laut einer Erklärung von Greenpeace ist die Zerstörung des größten Tropenwalds der Welt wegen der mangelnden Überwachung durch die Bundesbehörden unter dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonara "außer Kontrolle geraten".

Dabei bezieht sich die Organisation auf die Daten des Deter-Systems des Inpe, wonach zwischen dem 1. und 31. Januar insgesamt 430 Quadratkilometer abgeholzt wurden.

"Sogar im Januar, in einer Zeit, in der die Abholzung aufgrund der Regenzeit im Amazonasgebiet üblicherweise geringer ist, stieg die Zerstörung sprunghaft an. In der Tat ist dies ein goldener Moment für alle diejenigen, die illegal abholzen und/oder öffentliches Land stehlen, da es an der Durchsetzung der Umweltvorschriften mangelt und Änderungen der Gesetzgebung erwartet werden, um das Eindringen in öffentliches Land zu legalisieren", sagte Cristiane Mazzetti, die Sprecherin für das Amazonasgebiet von Greenpeace Brasilien.

Der brasilianische Senat entwirft zur Zeit zwei von den Umweltschützern als "äußerst besorgniserregend" bezeichnete Gesetzesentwürfe, welche die Legalisierung der Landnahme ermöglichen. Nicht nur nach Ansicht von Greenpeace könnte dies zu noch mehr Abholzung führen, die Wirtschaft des Landes schädigen und die Klimakrise weiter verschärfen.

Das Umweltministerium in Brasilia (MMA) bestreitet die Daten von Deter/Inpe und betont wieder einmal, dass die Bundesregierung gemeinsam mit verschiedenen Ministerien, zivilen und föderalen Sicherheitskräften und Umweltbehörden "energisch" gegen die illegale Abholzung am Amazonas vorgehe.

Paulo Moutinho, Mitbegründer und leitender Forscher des Amazonas-Umweltforschungsinstituts widersprach energisch: "Brasilien hat keinen langfristigen Plan für eine nachhaltige Entwicklung. Außerdem verfügen wir nicht mehr über ein System zur Überwachung des Amazonas. Die Folge ist eine Zunahme der illegalen Besetzung."

Eine weitere Studie des Amazonas-Umweltforschungsinstituts (Ipam) analysierte den Zeitraum von August 2018 bis Juli 2021 und kam zu dem Schluss, dass die Entwaldung im Vergleich zum vorangegangenen Dreijahreszeitraum um 56,6 Prozent zugenommen hat, was einer Fläche von 32.740 Quadratkilometern entspricht. Amazonien hat in den letzten drei Jahren eine Fläche von der Größe Belgiens verloren.

Für Moutinho existieren keine ausreichend strengen Rechtsvorschriften zur Überwachung der Entwaldungsraten im Amazonasgebiet, was eine Kontrolle der illegalen Rodungen unmöglich macht. Mit Bolsonaro hab die Umweltpolitik in Brasilien "einen neuen Tiefpunkt erreicht", so der Forscher.

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