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Konzentration des Reichtums in Uruguay nimmt zu

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Die vermögenden Haushalte profitieren von der Corona-Pandemie, während die einkommensschwachen Haushalte verlieren
Die vermögenden Haushalte profitieren von der Corona-Pandemie, während die einkommensschwachen Haushalte verlieren

Montevideo. Neue Wirtschaftsdaten aus Uruguay belegen, mit der Corona-Pandemie hat sich die Ungleichheit verstärkt. Laut der Gewerkschaft der Bankangestellten Uruguays (AEBU) hat die Konzentration der Vermögen und Einkommen mit der Pandemie zugenommen.

Während für die allermeisten Menschen die Corona-bedingte Wirtschaftskrise eine große finanzielle Belastung war und ist, war sie für wenige ein extrem gutes Geschäft. Viele Superreiche konnten trotz oder gerade wegen der Pandemie ihre Vermögen weiter steigern.

Laut offiziellen Daten der Zentralbank von Uruguay (BCU) ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der uruguayischen Wirtschaft im Jahr 2021 wieder gewachsen und beginnt, sich von der durch die Pandemie verursachte Krise zu erholen.

Betrachtet man jedoch die Entwicklung der Pro-Kopf-Einkommens der Haushalte – wie vom Nationalen Institut für Statistik gemeldet –, so war im Jahr 2020 der Rückgang des durchschnittlichen Haushaltseinkommens größer als der Rückgang des Pro-Kopf-BIP. Auch wenn sich die Wirtschaft 2021 wieder erholte, war die Erholung des durchschnittlichen Haushaltseinkommens kleiner als die des BIP.

Einem neuen Bericht der Gewerkschaft der Bankangestellten zufolge, haben die Vermögenseinlagen auf Bankkonten im Jahr 2021 einen Rekordwert erreicht. Die Hälfte dieses Anstiegs entfällt auf Kontoinhaber mit mehr als 250.000 US-Dollar. Wenn man die Inhaber mit mehr als 100.000 US-Dollar einbezieht, entspricht der Anteil sogar 70 Prozent.

Die BCU verzeichnete in den zwei Jahren der Pandemie Bankeinlagen in Höhe von mehr als sechs Milliarden US-Dollar, die nach Ansicht von Wirtschaftsexperten von Exporteuren stammten, die inmitten der Gesundheitskrise die Hauptnutznießer waren und einen Großteil ihrer Gewinne auf ausländische Konten überwiesen.

Die Analyse der Gewerkschaft AEBU deutet darauf hin, dass "die Auswirkungen der Inflation und der kaufkraftmindernden Politik am stärksten die untersten Einkommensgruppen treffen, die nicht in der Lage sind, zu sparen". Im Jahr 2020 betrug die Inflationsrate 9,8 Prozent, im Folgejahr 2021 7,5 Prozent.

Die Einkommen der Haushalte der ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung reichen demnach nicht aus, um den monatlichen Verbrauch zu decken. Sie geben 108 Prozent ihres Einkommens aus, was bedeutet, dass sie eine Art von Schulden oder Unterstützung benötigen.

Demgegenüber geben die Haushalte der reichsten 20 Prozent der Bevölkerung etwas mehr als 70 Prozent ihres Einkommens für ihren monatlichen Konsum aus, sodass sie aufgrund ihrer Sparfähigkeit besser mit steigenden Preisen umgehen können.

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