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Mexiko: Bereits der achte Mord an einem Journalisten in diesem Jahr

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Armando Linares in einer Sendung von Michoacán Informate
Armando Linares in einer Sendung von Michoacán Informate

Zitácuaro. Der Journalist Armando Linares ist am 16.März in der Kleinstadt Zitácuaro im mexikanischen Bundesstaat Michoacán ermordet worden  Er wurde zu Hause von bewaffneten Männern erschossen. Das hat die Staatsanwaltschaft von Michoacán bestätigt.

Der Journalist leitete das Nachrichtenportal Monitor Michoacán. Es ist das gleiche Portal, für das Roberto Toledo arbeitete, der am 31. Januar dieses Jahres umgebracht wurde. Als Toledo ermordet wurde, prangerte Linares die Gefährdung und Schutzlosigkeit der Medienschaffenden an: "Wir sind nicht bewaffnet, wir tragen keine Waffen. Unsere einzige Verteidigung ist ein Kugelschreiber, ein Bleistift, ein Notizbuch."

Linares hatte seit 2019 Morddrohungen wegen seiner journalistischen Arbeit bekommen. Er hatte zusammen mit Toledo Korruptionsskandale in Michoacán aufgedeckt. 

Es ist der achte Mord an einem Journalisten im Jahr 2022. Vor ihm wurden José Luis Gamboa, Margarito Martínez Esquivel, Lourdes Maldonado López und Roberto Toledo Barrera im Januar und Heber López Vázquez, Jorge Luis Camero und Ernesto Islas Flores im Februar im Zusammenhang mit ihrer investigativen Arbeit getötet. Die Täter sind bis heute nicht gefasst worden.

Bei dem "Forum für freie Meinungsäußerung" (Foro Libertad de Expresión), das am 15. März in Mexiko-Stadt stattfand, räumte der Staatsekretär für Menschenrechte, Bevölkerung und Migration, Alejandro Encinas, ein, dass 45 Prozent der Angriffe auf Journalisten von staatlichen Vertretern veranlasst wurden, in der Regel aus den regionalen und lokalen Regierungen. Encinas betonte, dass die Gewalt im Land viel größer sei, als in der Öffentlichkeit bekannt: "Es ist kein neues Phänomen. Es ist etwas, das seit 14 Jahren anhält, dennoch wird es komplexer", so der Staatssekretär.

Er gestand ein, dass die aktuelle Regierung von Andrés Manuel López Obrador es weder geschafft hat, die Situation unter Kontrolle zu bekommen, noch die Gefahr für Medienschaffende zu verringern: "Wir haben derzeit den gleichen Entwicklungstrend, wie in der Zeit der Regierung von Felipe Calderón."

Bei dem Forum, dass in der norwegischen Botschaft in Mexiko-Stadt stattfand und von Articulo19-Mexiko organisiert wurde, haben auch die renommierten Journalistinnen Carmen Aristegui und Marcela Turatti teilgenommen. Turatti schlug die Gründung einer unabhängigen Expertenkommission vor, die die Fälle von ermordeten Journalisten untersuchen soll. Die norwegische Botschafterin informierte, dass alle vier Tage in Mexiko ein Journalist ermordet wird. "Neun von zehn Mordfällen an Medienvertretern bleiben ungeklärt", so die Diplomatin.

Im Bundesstaat Nayarit trafen sich ebenfalls Journalisten, Menschenrechtsverteidiger, Organisationen von Angehörigen der Opfer von Verschwindenlassen und Indigene, um die Initiative für ein "Allgemeines Gesetz zur Verhütung vom und zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern und Journalisten vor Straftaten" voranzutreiben. Ziel ist, die Opfer ins Zentrum einer landesweiten Schutzpolitik zu stellen.

Unterdessen hat das Nachrichtenportal Monitor Michoacán bekanntgegeben, dass es seine Arbei einstellt. In der Mitteilung klagen die Verfasser über "das mangelnde Interesse" an der Verhaftung der Täter bei der Generalstaatsanwaltschaft und den Regierungen von Michoacán und Zitácuaro sowie über "die fehlende Aufmerksamkeit" für die Gewalt in dem Bezirk. Der Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Straftaten gegen die Meinungsfreiheit werfen sie vor, keine Schutzmaßnahmen ergriffen zu haben.

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