Brasilien: Polizeieinsatz in Rio de Janeiro endet erneut tödlich

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In den brasilianischen Favelas sterben immer wieder Menschen bei Polizeieinsätzen
In den brasilianischen Favelas sterben immer wieder Menschen bei Polizeieinsätzen

Rio de Janeiro. Bei einem Einsatz der Polizei im Bezirk Chapadão der Küstenmetropole Rio de Janeiro sind mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen.

Augenzeugen berichten, dass die Militärpolizei am frühen Sonntagmorgen ihren Einsatz begann, indem sie eine Feier auflöste. Bei dieser soll es laut Polizei zu Auseinandersetzungen gekommen sein, welche den Einsatz notwendig machten.

In einer kurzen Erklärung teilt die Behörde mit, dass insgesamt vier “Kriminelle” festgenommen und sechs weitere getötet wurden. Zudem habe man Waffen, eine Granate und Drogen beschlagnahmt. Der Einsatz habe der Bekämpfung einer Gruppe gedient, die für Raubüberfälle verantwortlich gemacht wurde.

Anwohner:innen haben berichtet, dass auch einige Stunden später noch Schüsse gefallen sind.

Der Bezirk Chapadão ist ein Zusammenschluss mehrerer Favelas und liegt im Norden Rio de Janeiros. Nach Angaben der Polizei soll das Gebiet vor allem geprägt sein durch das “Comando Vermelho”, einer illegalen Gruppe, die im Drogenhandel aktiv sein soll.

In den großen Städten wie Rio de Janeiro oder São Paulo kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und den Bewohner:innen der Favelas. Dabei starben neben vermeintlichen Verdächtigen auch immer wieder unbeteiligte Personen.

In Rio de Janeiro ist die Polizei für knapp ein Viertel der registrierten Fälle tödlicher Gewalt verantwortlich. Während 2021 die allgemeine Mordrate in der Stadt um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr sank, stieg die tödliche Polizeigewalt um zwölf Prozent. Menschenrechtsgruppen fordern, gemeinsam mit dem Obersten Gerichtshof Brasiliens, einen Plan zur Reduzierung der tödlichen Einsätze und zur Eindämmung von Misshandlungen durch Polizist:innen.

Gegen die Regierung Rio de Janeiros wurde vergangenen Freitag Anklage bei den Vereinten Nationen eingereicht. Insgesamt zwölf Anwälte unterzeichneten das Dokument, in dem verschiedene Menschenrechtsverletzungen aufgelistet werden. Unter anderem werden tödliche Polizeigewalt und unrechtmäßige Verhaftungen von vor allem Schwarzer Bevölkerung genannt. Namentlich erwähnt wird unter anderem Ana Clara Machado, die im Alter von fünf Jahren in Niterói bei einem Einsatz von Polizist:innen erschossen wurde.

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