Uruguay nimmt Ausgrabungen zu verschwunden Opfern der Militärdiktatur wieder auf

uruguay_ausgrabungen.jpg

Die Suche nach den Verschwundenen wird fortgesetzt
Die Suche nach den Verschwundenen wird fortgesetzt

Montevideo. Im Zuge von neuen Zeugenaussagen forciert das Nationale Institut für Menschenrechte (Inddhh) die Suche nach verschwundenen Opfern der Militärdiktatur.

Die Menschenrechtsorganisation hat am Dienstag mit den Ausgrabungen auf dem Gelände des SMA (Material- und Rüstungsdienst) der nationalen Streitkräfte begonnen. Zuvor gab es neue Zeugenaussagen von nahestehenden Personen und Gruppen der Opfer gegenüber dem Inddhh, welche es möglich machten, das Gebiet näher einzugrenzen.

Auf dem Militärgelände des SMA befand sich von 1975 bis 1977 das "300 Carlos" oder "Große Hölle" genannte, versteckte Gefangenen- und Folterzentrum. Das Inddhh geht davon aus, dass dort mindestens 500 Personen gefangen gehalten wurden, unter ihnen namhafte Kämpfer gegen die Militärdiktatur, von denen bis heute jede Spur fehlt.

Von acht Vermissten, die nachweislich in diesem Lager festgehalten wurden, konnten bisher in den Jahren 2005 und 2019 nur die Gräber zweier Opfer entdeckt werden. Wilder Tayler, der Direktor des Inddhh, hofft darauf, dass die Arbeiten auf dem 8.000 Quadratmeter großen Grundstück innerhalb der nächsten 60 Tage abgeschlossen werden können.

Verteidigungsminister Javier Garcia hat der Organsiation indes eine umfassende Zusammenarbeit zugesichert. In diesem Zusammenhang hat er hervorgehoben, dass die jetzige Regierung und das Verteidigungsministerium bereits auf mehr Anfragen geantwortet und mit mehr Informationen beigetragen hätten, als die Regierungen der vorangegangenen elf Jahre. "Seit dem 1. März hat das Verteidigungsministerium 223 Anfragen auf Zugang zu Informationen erhalten, von denen wir bereits 192 beantwortet haben", konkretisiert er. Die verbleibenden Anfragen seien zurzeit in Bearbeitung.

Zuvor hatte die UN-Arbeitsgruppe gegen gewaltsames und unfreiwilliges Verschwindenlassen (WGEID) die Regierung zu einer proaktiveren Rolle bei der Aufklärung der Konsequenzen des repressiven Plan Condor der Diktaturen im Süden Lateinamerikas aufgefordert. Wie die WGEID kritisierte, sei von offizieller Seite keine Anstrengung zu erkennen, die existierenden Archive über die repressiven Jahre in Uruguay zu sichern und zu untersuchen.

Während des Militärregimes von 1973 bis 1985 wurden hunderte Personen gefoltert und ermordet. Insgesamt 14 Prozent der Gesamtbevölkerung, rund 380.000 Uruguayer wurden in dieser Zeit ins Exil gezwungen.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr