Brasilien / Politik

Stichwahl in Brasilien: Katholische Bischöfe unterstützen Lula da Silva

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Kundgebung der Landlosenbewegung: "Ein Sieg Lulas ist ein Sieg des Volkes". So sieht das auch eine Gruppe katholischer Bischöfe
Kundgebung der Landlosenbewegung: "Ein Sieg Lulas ist ein Sieg des Volkes". So sieht das auch eine Gruppe katholischer Bischöfe

Brasília. Eine Gruppe von rund 60 katholischen Bischöfen aus verschiedenen Regionen Brasiliens hat bei der anstehenden Präsidentschaftswahl eine Wahlempfehlung für Luis Inácio Lula da Silva ausgesprochen. Am Sonntag tritt der Ex-Präsident in einer Stichwahl gegen den ultarechten Amtsinhaber Jair Bolsonaro an.

Während die evangelikalen Kirchen mehrheitlich auf Seiten von Bolsonaro stehen und offen für seine Wiederwahl werben, unterstützen die katholischen Bischöfe jetzt in einem offenen Brief, der am Montag publiziert wurde, seinen linken Herausforderer. Der zweite Wahlgang stelle die Bevölkerung "vor eine dramatische Herausforderung, die keine Neutralität erlaubt", so die Begründung.

Die Bischöfe führen an, dass der Präsident und seine Unterstützer "den Namen Gottes benutzt haben, um ihr Handeln zu legitimieren." Zur Wahl stünden aktuell zwei Brasilien-Projekte: ein Demokratisches und ein Autoritäres. Eins, das das Leben verteidige, gegen eins, das verbündet sei mit einer "Ökonomie, die tötet". Die Bischöfe kritisieren, dass die aktuelle Regierung "der ärmeren Bevölkerung den Rücken zugekehrt hat, besonders während der Pandemie."

Die Bolsonaro-Regierung und ihre Unterstützer hätten den Namen Gottes missbraucht, um ihre Taten zu legitimieren und ihre Wahlziele durchzusetzen. Man habe vier Jahre in einem "Königreich der Lüge" gelebt, heißt es in dem Schreiben. Während er sagte "Gott über allem", habe der Präsident Frauen beleidigt. Zudem habe er kein Mitgefühl angesichts der fast 700.000 Covid-Toten gezeigt und verachte die Armen und die 33 Millionen Hungernden im Land.

In dem offenen Brief wendet sich das brasilianische Bischof-Kollektiv gegen den Missbrauch der Religion, um Hass, Gewalt und die Spaltung von Familien und der Gesellschaft zu verschärfen.

Der Brief wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

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