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Die Präsidenten von Venezuela und Kolumbien trafen sich zu Gesprächen in Caracas

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Erstes Gipfeltreffen von Kolumbien und Venezuela seit Jahren
Erstes Gipfeltreffen von Kolumbien und Venezuela seit Jahren

Caracas. Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro hat seinen kolumbianischen Amtskollegen Gustavo Petro am Dienstag in Caracas empfangen, um die kürzlich erneuerten bilateralen Beziehungen und die Situation an der gemeinsamen Grenze der beiden Länder zu besprechen.

Petro wurde auf dem internationalen Flughafen "Simón Bolívar" von Venezuelas Vizepräsidentin Delcy Rodríguez und Außenminister Carlos Faría empfangen, bevor er im Präsidentenpalast Miraflores mit Maduro zusammentraf. Nach einer Zusammenkunft unter Ausschluss der Öffentlichkeit gaben die beiden Präsidenten eine gemeinsame Erklärung ab und traten in einer Pressekonferenz auf.

Die gemeinsame Erklärung schloss mit einem Zitat des lateinamerikanischen Freiheitshelden Simón Bolívar: "Einheit macht alles möglich und deshalb müssen wir genau dieses Prinzip erhalten."

Maduro führte auf der Pressekonferenz aus, dass sich die beiden Staatsoberhäupter darauf geeinigt hätten, "die Sicherheit der Grenzen und den Kampf gegen den Drogenhandel" sowie die Energie-, Handels- und Wirtschaftsbeziehungen, die Rückkehr Venezuelas in die Gemeinschaft der Andenstaaten (CAN) und die Stärkung der Gemeinschaft der lateinamerikanischen und karibischen Staaten (Celac) zur regionalen Integration in den Vordergrund zu stellen.

"Wir haben einen fruchtbaren Tag mit Präsident Gustavo Petro und seiner Delegation verbracht. Wir haben verschiedene Fragen der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Kolumbien und Venezuela erörtert, zwei Ländern, die ein gemeinsames Schicksal haben. Das ist eine gute Nachricht für unsere beiden Völker", erklärte Maduro.

Zu Kolumbiens Antrag auf Wiederaufnahme Venezuelas in das Interamerikanische Menschenrechtssystem, das Teil der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) ist, sagte Maduro, er stehe dem Vorschlag "aufgeschlossen" gegenüber und werde die Angelegenheit weiter prüfen. Venezuela verließ die OAS im April 2019, nachdem es der in Washington ansässigen Organisation wiederholte Akte der Aggression gegen die Souveränität des Landes vorgeworfen hatte.

Petro erinnerte seinerseits an die historischen Bindungen der Länder und rief zu einer Union auf, die über politische Differenzen hinausgeht. "Es ist unnatürlich, dass Kolumbien und Venezuela getrennt sind. Es ist einmal passiert, zu einer schlechten Zeit, und es sollte nicht wieder passieren, weil wir dasselbe Volk sind. [...] Egal, welche politischen Formen in beiden Nationen angenommen werden, die Freundschaft muss überwiegen." Er betonte, dass beide Regierungen noch einen "langen Weg" beim Wiederaufbau der bilateralen Beziehungen vor sich hätten.

Er erklärte, dass die Normalisierung der Grenze die Betreuung der Migranten aus beiden Ländern, den Aufbau stärkerer Handelsbeziehungen sowie die Behebung des Düngemittelmangels durch den in Kolumbien ansässigen venezolanischen Agrochemiehersteller Monómeros und dessen Muttergesellschaft, die staatliche venezolanische Pequiven, einschließen werde. Monómeros wurde kürzlich nach jahrelanger Misswirtschaft unter der Kontrolle der Opposition an Caracas zurückgegeben.

Petro schlug ebenfalls vor, im Vorfeld der Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP27), die vom 6. bis 18. November im ägyptischen Sharm El Sheikh stattfindet, einen "gemeinsamen Standpunkt" Lateinamerikas und der Karibik zu Fragen des Klimawandels festzulegen.

Er rief insbesondere dazu auf, den Amazonas-Regenwald wiederherzustellen und zu schützen, indem die zerstörerische Natur des Kapitalismus gestoppt werde. "Dies ist eine gemeinsame Anstrengung, die alle Länder betrifft, die für den Amazonas-Regenwald verantwortlich sind. Wir müssen uns gegenseitig helfen und wir hoffen, dass Brasilien sich dem Kampf anschließt, den die Menschheit braucht."

Das Gipfeltreffen zwischen Petro und Maduro war das erste zwischen den beiden Staatsoberhäuptern seit der vollständigen Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen im August, nachdem diese jahrelang unterbrochen waren. Kurz darauf wurde der wichtigste Grenzübergang wieder geöffnet, auch die Fluggesellschaften haben die Direktflüge zwischen den beiden Nachbarländern wieder aufgenommen.

Anfang Oktober fand in Caracas eine Zeremonie zur Wiederaufnahme der Friedensgespräche zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerillagruppe Nationale Befreiungsarmee (ELN) statt. Caracas wird neben Kuba und Norwegen als Garantenstaat fungieren.

Die venezolanische Regierung brach die Beziehungen zu Kolumbien ab und schloss die Grenze Anfang 2019, nachdem sich der ehemalige Präsident Iván Duque den Regime Change-Bemühungen Washingtons angeschlossen und den venezolanischen Oppositionsführer Juan Guaidó als selbsternannten "Interimspräsidenten" anerkannt hatte.

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