Brasilien / Politik

Brasilien: Ministerinnen für indigene Völker und ethnische Gleichstellung im Amt

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Die neuen Ministerinnen Sônia Guajajara und Anielle Franco
Die neuen Ministerinnen Sônia Guajajara und Anielle Franco

Brasília. Die neuen Ministerinnen für indigene Völker, Sônia Guajajara, und für die Gleichstellung ethnischer Gruppen, Anielle Franco, haben ihr Amt angetreten.

Franco ist die Schwester der prominenten Frauen- und LGTBIQ-Aktivistin Marielle Franco, die 2018 ermordet wurde.

Medien nennen es historisch, dass Staatspräsident Luiz Inázio Lula da Silva für die Rechte und Chancen der indigenen und schwarzen Brasilianer:innen zwei Ministerien geschaffen hat, die es bei seinen Vorgängern nicht gab. Er entsprach damit auch den Forderungen der indigenen und afrobrasilianischen Bewegungen, die seit Jahrhunderten gegen Unrecht und Diskriminierung kämpfen.

Die 900.000 Indigenen Brasiliens, die eine Geschichte kolonialen Genozids haben, litten gerade unter Lulas Vorgänger, Jair Bolsonaro, der Großbetriebe mit Sojaanbau und Rinderzucht zum Eindringen in ihre Territorien ermutigte. Das neue Ministerium soll unter anderem den Zugang der indigenen Bevölkerung zu Bildung und Gesundheit gewährleisten, ihr Land demarkieren und den Völkermord bekämpfen.

Auch die schwarzen und nicht-weißen, auch "pardos" bezeichneten Brasilianer:innen, die rund 55 Prozent der Bevölkerung ausmachen, sind strukturell benachteiligt und oft Opfer polizeilicher Willkür. Die Todesrate in Armenvierteln ist über-, die Zahl Schwarzer Studierender unterdurchschnittlich. Entsprechend ist das wiederbelebte Ministerium für die Gleichstellung der ethnischen Gruppen (Ministerio da Igualdade Racial, MIR) für die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zur Förderung der ethnischen Gleichstellung, insbesondere der Schwarzen Bevölkerung, und zur Bekämpfung des Rassismus auf nationaler Ebene zuständig.

Die neuen Ministerinnen waren bisher lange zivilgesellschaftlich aktiv. Die aus dem Volk der Guajajaras stammende Sônia Bone de Souza Silva Santos ist die erste indigene Ministerin Brasiliens. Die 48-jährige studierte Pädagogin war unter anderem Koordinatorin der "Organisation der Indigenen Völker Brasiliens" (Articulação dos Povos Indígenas do Brasil) und wurde vom Time Magazine 2022 zu den weltweit einflussreichsten Menschen gezählt.

Die 36-jährige afrobrasilianische Anielle Franco stammt aus der Maré-Favela bei Rio de Janeiro. Sie studierte dank Stipendien zunächst Journalismus in den USA, bevor sie in Brasilien zu den ersten "Quotenstudierenden" gehörte. Zu Ehren ihrer Schwester gründete Anielle 2020 das Institut Marielle Franco, das sich für die Kämpfe benachteiligter Bevölkerungsgruppen einsetzt.

Franco erinnerte in ihrer Ansprache auch an den Sturm auf den Präsidentenpalast am 8. Januar: "Nach den Angriffen, denen dieses Haus und das brasilianische Volk am vergangenen Sonntag ausgesetzt waren, setzen wir hier ein Zeichen des Widerstands gegen alle Versuche, die Institutionen und unsere Demokratie anzugreifen. Faschismus ist ebenso wie Rassismus ein Übel, das in unserer Gesellschaft bekämpft werden muss".

Während der Zeremonie unterschrieb Präsident Lula da Silva das frisch verabschiedete Gesetz, das rassistische Äußerungen mit dem Straftatbestand des Rassismus gleichsetzt.

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