Brasilien: Gedenken an ermordete Aktivistin Marielle Franco

Weltweit Aktionen zum Gedenken. Frühere Gesetzesentwürfe von Franco breit unterstützt. Mord nach drei Jahren noch nicht aufgeklärt

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"Marielle ist präsent"
"Marielle ist präsent"

Rio de Janeiro. Am dritten Todestag von Marielle Franco haben Veranstaltungen in- und außerhalb Brasiliens der Aktivistin gedacht. Die Stadträtin und ihr Fahrer Anderson Gomes wurden am 14. März 2018 in Rio de Janeiro durch Schüsse getötet. Seitdem machen Sozialaktive für die Aufklärung des Mordes mobil. Zum Beispiel die Journalistin Eliane Blum: Täglich ist in ihrem Twitter-Kanal die Frage zu lesen, "Wer hat den Mord an Marielle beauftragt?"

Als Homage an Franco hat der Bürgermeister von Rio de Janeiro am Sonntag ein Schild mit ihrem Namen auf dem öffentlichen Platz Cinelândia direkt vor dem Rathaus eingeweiht. Neben ihrem Geburts- und Todesjahr (1979 – 2018) steht darauf der Schriftzug: "Schwarze Frau, aus der Favela, LGBT-Person und Menschenrechtsverteidigerin. Brutal ermordet am 14. März 2018 dafür, dass sie für eine gerechtere Welt gekämpft hat."

In Buenos Aires nannte das Kollektiv Passarinho die Metro-Station "Rio de Janeiro" symbolisch in "Marielle Franco" um.

Amnesty International hatte bereits eine Woche zuvor am Internationalen Frauentag ein Gemälde Francos an einer Hausfassade in Berlin-Kreuzberg eingeweiht. An der Londoner Westminster Bridge neben dem britischen Parlament forderten brasilianische Gruppen "Gerechtigkeit für Marielle" auf einem Banner, das sie von der Brücke hängen ließen.

Das Institut Marielle Franco, gegründet von der Familie der ermordeten Stadträtin, will den 14. März zum "Tag der Marielle Franco gegen politische Gewalt an Schwarzen Frauen, LGBTQIA-Personen und Frauen aus den Favelas" erklären. Dieses Projekt ist Teil eines Gesetzgebungspakets im Sinne der politischen Arbeit von Franco. Es beinhaltet zwölf Gesetzentwürfe, an denen sie selbst gearbeitet hatte. Die Verabschiedung des Pakets wird von 70 Abgeordneten aus 45 brasilianischen Städten unterstützt.

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Die Schwester der Ermordeten hofft, das politische Vermächtnis von Franco auf diese Weise am Leben zu halten. Das Motto dahinter lautet "Marielle ist präsent", ein Slogan, der seit ihrem Tod in den sozialen Medien um die Welt geht.

Nach wie vor besteht Straflosigkeit in dem Mordfall. Die Polizeiermittlungen sind voll mit falschen Fährten und gravierenden Fehlern. Zwar wurden die mutmaßlichen Mörder gefasst, doch sie waren nur die Handlanger in einer weitaus komplexeren Befehlskette. Die kriminelle Organisation "Büro des Verbrechens" soll sie als Auftragskiller engagiert haben. Die Frage, wer den Mord an Franco angeordnet hat, bleibt offen.

Ein Verdächtiger ist der Ex-Politiker der rechtskonservativen Partei Brasilianische Demokratische Bewegung (PMPB), Domingos Inácio Brazão

Obwohl das Verbrechen noch nicht aufgeklärt worden ist, hätten die Untersuchungen und offengelegten Fakten in dem Fall viel bewirkt. "Es wurden die Untergründe Rio de Janeiros enthüllt", sagt der Abgeordnete der Partei für Sozialismus und Freiheit PSOL, Marcelo Freixo. Er begleitet die Ermittlungen.

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