Montevideo. Bei den Präsidentschaftswahlen in Uruguay kommt es zur Stichwahl zwischen dem Kandidaten der linken Frente Amplio (Breite Front) und der Mitte-rechten Nationalen Partei. Nach Zahlen, die etwa zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale gegen 21:30 Uhr Ortszeit veröffentlicht wurden, konnte Yamandú Orsi (Breite Front) zwischen 43 und 44 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, Álvaro Delgado von der Nationalen Partei kam auf etwa 28 Prozentpunkte.
Orsi gilt als Wunschkandidat des ehemaligen Staatschefs José "Pepe" Mujica, der das Land von 2010 bis 2015 regierte. Delgado leitet das Präsidialamt und gilt als rechte Hand des aktuellen Präsidenten Luis Lacalle Pou. Pou hatte 2020 die Präsidentschaftswahlen für die Nationale Partei hauchdünn gewonnen und die fünfzehnjährige Regierungszeit der Breiten Front beendet. Er durfte laut Verfassung nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren. Die Stichwahl findet am 24. November statt.
Auf den dritten Platz mit knapp 16 Prozent kam Andrés Ojeda von der Partei Colorado, einer traditionellen Partei des Landes, die bereits 1836 gegründet wurde. Der Strafverteidiger Ojeda hatte vor allem mit der Bekämpfung der Kriminalität punkten wollen und wird in seinem Wahlkampfstil mit dem argentinischen Präsidenten Javier Milei verglichen.
Die Wahlbeteiligung lag bei 89,1 Prozent, wahlberechtigt waren gut 2,7 Millionen Uruguayer. In Uruguay herrscht Wahlpflicht.
Der 57 jährige Geschichtsdozent Orsi hatte sich bei den parteiinternen Vorwahlen gegen Carolina Cosse durchgesetzt und diese dann als Kandidatin für die Vizepräsidentschaft nominiert.
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Neben dem Staatspräsidenten wurde am Sonntag auch der 30-köpfige Senat und die 99 Abgeordnete umfassende Abgeordnetenkammer neu gewählt.
Im Senat wird nach aktuellen Presseberichten die Breite Front mit 16 Senatoren die Mehrheit stellen, die Nationale Partei stellt neun und die Partei Colorado sechs Senatoren.
In der Abgeordnetenkammer wird keine Partei oder Koalition eine eigene Mehrheit stellen können. Mit 48 Abgeordneten ist die Breite Front allerdings auch hier die stärkste Kraft, gefolgt von 29 Abgeordneten der Nationalen Partei, 17 von Colorado und fünf für kleinere Parteien.
Die Breite Front ist ein 1971 gegründetes Parteienbündnis, dem unter anderem die Bewegung für Volksbeteiligung, die Sozialistische Partei, die Kommunistische Partei und kleinere Linksparteien angehören. Bekanntes Mitglied ist José Mujica, der 13 Jahre wegen seiner Mitgliedschaft in der Guerillabewegung Tupamaros in Haft saß. Die Breite Front musste zwischen der Militärdiktatur von 1973 bis 1985 in der Illegalität agieren.
Uruguay hat vergleichsweise wenig soziale Probleme. Laut Medienberichten ist die Mittelschicht mit gut 60 Prozent der Bevölkerung die größte des Kontinents, etwa sechs Prozent der Bevölkerung lebt laut Zahlen der Weltbank in Armut. Allerdings gibt es auch Stimmen, die vor einem Anstieg der Armut warnen (amerika 21 berichtete).


