Mexiko-Stadt et al. Zum sechsten Jahrestag der Ermordung des Aktivisten Samir Flores Soberano sind in Mexiko und weltweit mehr als 100 Gedenk- und Protestaktionen durchgeführt worden.
Unter dem Motto "Gerechtigkeit für Samir Flores Soberanes" hatten über 100 Organisationen, darunter die Front der Völker zur Verteidigung von Land und Wasser Morelos, Puebla und Tlaxcala (FPDTA), der nationale Indigenenkongress (CNI) und die Zapatistische Armee der nationalen Befreiung (EZLN) vom 19. bis 23. Februar zu Aktionen aufgerufen. Im Zuge der Veranstaltungen wurden sieben Denkmäler in verschiedenen Städten in Mexiko, Frankreich, Italien, Baskenland und den USA aufgestellt.
Flores wurde am 20. Februar 2019 in seinem Zuhause in Amilcingo, einer Ortschaft im südmexikanischen Bundestaat Moreles, getötet. Er war Gründer des kommunitären Radiosender von Amilcingo und Mitglied der FPDTA und des nationalen Indigenenkongresses.
Der Mord wird in Verbindung mit seinem Einsatz gegen das Megaprojekt Morelos Integral (PIM) gebracht. PIM ist ein Projekt der mexikanischen Regierung zum Zwecke der Energiegewinnung im Zentrum des Landes und beinhaltet den Bau zweier thermoelektrischer Kraftwerke, eines Aquädukt und einer Gasleitung in den Bundesstaaten Morelos, Puebla und Tlaxcala.
Gegner kritisieren unter anderem die Nähe der Gasleitung zum Vulkan Popocatépetl und die Durchsetzung des Projektes gegen den Willen der betroffenen Bevölkerung.
"Viele feige Kugeln werden gegen den Kampf ums Leben abgefeuert, der in Würde an Tausenden von Orten auf dem Planeten Erde stattfindet. Wenn die Kugeln einen Gefährten wie Samir treffen, wird der Tod zu einem Samenkorn, einem Beispiel, einer würdigen Erinnerung. Dort beginnt die Gerechtigkeit von unten für unseren Gefährten zu gedeihen," heißt es in einer Erklärung des CNI.
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Sechs Jahre nach dem Verbrechen betonen die FPDTA und der CNI, es sei erwiesen, dass die intellektuellen und materiellen Mörder Teil eines Machtnetzwerkes sind, dem Funktionäre und Mitglieder des organisierten Verbrechens angehören.
Zehn Tage vor seiner Ermordung hatte Flores gegen eine öffentliche Veranstaltung des Präsidenten Andrés Manuel López Obrador in der Stadt Cuautla protestiert. Obrador hatte sein Wahlversprechen, das Projekt zu annullieren, gebrochen und eine umstrittene Befragung über das Projekt durchgesetzt.
Am Vortag seines Todes nahm Flores an einer Informationsveranstaltung des Regierungsdelegierten Hugo Erik Flores teil und kritisierte diesen scharf. Laut dem Anwalt Juan Carlos Flores Solís gibt es Beweise, die Hugo Erik Flores und den ehemaligen Governeur Cuauhtémoc Blanco Bravo als "geistige Urheber" mit dem Verbrechen in Verbindung bringen. Beide sind aktuell Abgeordnete der Partei Morena, der auch López Obrador und die aktuelle Präsidentin Claudia Sheinbaum angehören.
Die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) hat Mitte Februar angekündigt, den Antrag auf Intervention in dem Fall zu bearbeiten. Eingereicht wurde der Antrag 2020 von der FPDTA. Grund ist die Durchsetzung des Projekts "Morelos Integral" (PIM) und die Straflosigkeit im Fall von Samir Flores.
Die mexikanischen Behörden haben indes bei der Aufklärung des Mordes und bei der Lösung der gegen das PIM eingelegten Berufungen bisher keine nennenswerten Fortschritte erzielt.


