Guatemala / Soziales

Armut in Guatemala kaum reduziert, Indigene am stärksten betroffen

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Knapp sechs von zehn Guatemalteken leben in multidimensionaler Armut
Knapp sechs von zehn Guatemalteken leben in multidimensionaler Armut

Guatemala-Stadt. 57,7 Prozent der Guatemalteken leben in multidimensionaler Armut, das geht aus einer am 17. Juni veröffentlichten Studie des Ministeriums für soziale Entwicklung (Mides) hervor. Der Studie liegen Daten aus dem Jahre 2023 zugrunde. Bei der ersten veröffentlichten Studie im Jahre 2019, mit Daten aus dem Jahre 2014, lebten 61,6 Prozent der Einwohner des Landes in multidimensionaler Armut, was einen Rückgang von nur 3,9 Prozent in knapp zehn Jahren bedeutet.

Die dem Bericht zugrunde liegenden Daten orientieren sich an den Bewertungskriterien des Multidimensionalen Armutsindex (MPI) der Oxford Poverty & Human Development Initiative und der Vereinten Nationen, bei der Armut nicht nur am monatlich vorhandenen Einkommen definiert wird.

Stattdessen legt die Studie die Bereiche Gesundheit und Ernährungssicherheit, Bildung, würdevolle Arbeit, Wohnung und Zugang zu Basisversorgung wie fließend Wasser, sauberes Trinkwasser und Elektrizität zugrunde. Jeder dieser fünf Bereiche erhält zwanzig Punkte, leidet eine Person bei mindestens 30 Prozent der Faktoren unter Entbehrungen, gilt die Person als von multidimensionaler Armut betroffen. Nach der Studie bestehen in den Bereichen würdevolle Arbeit mit 74 Prozent und Bildung mit 73 Prozent die größten Mängel. Für María Alejandra Menaldo, Vizeministerin des Mides, ist dies Ausdruck des hohen Anteils informeller Arbeit ohne gesichertes Einkommen und der Bildungsungleichheit.

Das am stärksten betroffene Departamento ist Alta Verapaz mit 87,3 Prozent Armut, gefolgt vom Petén mit 79,8 Prozent und Quiché und Totonicapán mit jeweils etwa 75 Prozent. Damit sind vor allem Departamentos im Norden Guatemalas betroffen. Die geringsten Armutswerte weisen die Departamentos Sacatepéquez um die Touristenattraktion und ehemalige Hauptstadt Antigua und das Hauptstadtdepartamento Guatemala mit jeweils knapp über 25 Prozent auf, neben diesen beiden leben nur noch in Quetzaltenango und in El Progreso weniger als 50 Prozent der Menschen in Armut, in zwölf der 22 Departamentos sind es mehr als 60 Prozent. Mit 76,3 Prozent ist der Anteil der Armut auf dem Land fast doppelt so hoch wie im städtischen Umfeld mit 40,8 Prozent. Auf dem Land leiden die Menschen vor allem im Bereich Wohnung aufgrund schlechter Baumaterialien sowie gesundheitsschädigender Brennstoffe zum Kochen sowie an der Ernährungsunsicherheit.

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Mit 76 Prozent leidet die Mayabevölkerung 1,6-mal mehr an Armut als die mestizische Bevölkerung mit 46 Prozent, 68 Prozent der Garífuna, Xinka, afrikanisch stämmiger Menschen und Ausländer sind von Armut betroffen.

Guatemala ist eines von über 50 Ländern weltweit, die multidimensionale Armutsmessungen auf Basis des MPI eingeführt haben. Länder wie Kolumbien, Mexiko, Costa Rica, Indien und Vietnam nutzen diese Messungen, um eine wirksamere und gezieltere Politik zu entwickeln, die den wichtigsten Bedürfnissen und Benachteiligungen der Bevölkerung Rechnung trägt, hieß es in den Medien.

Daran möchte sich auch die guatemaltekische Regierung orientieren. Abelardo Pinto, Minister für soziale Entwicklung, kommentierte, dass die Daten des MPI ihnen helfen würden zu verstehen, wie sich Armut in verschiedenen Lebensbereichen manifestieren könne. Durch öffentliche Maßnahmen könne diese jedoch reduziert werden. "Deshalb bauen wir das Sozialhaushaltsregister landesweit aus, priorisieren Sozialprogramme und setzen die sektorübergreifende Initiative Hand in Hand der guatemaltekischen Regierung mit einem multisektoralen Ansatz um, um mehr Menschen zu erreichen", so Pinto.