Neuquén. Die Polizei ist am 20. Juli in der Stadt Neuquén in Patagonien gewaltsam gegen Protestierende der Mapuche vorgegangen. Sie nahm 22 Personen fest, darunter Minderjährige und ältere Menschen. Zahlreiche Menschen wurden verletzt.
Das Protestcamp richtete sich gegen die Ölförderung in Vaca Muerta und den Einfluss der Ölfirmen in der Region. Drei Tage zuvor hatten Vertreter:innen der Mapuche Anzeige wegen der Ölverschmutzung des Mari Menuco-Sees erstattet, der auch die Provinzhauptstadt mit Wasser versorgt. Zudem fordern sie als Volk die staatliche Anerkennung als Rechtspersönlichkeit, die ihnen bereits vom Obersten Gerichtshof Argentiniens zugesprochen wurde.
Die Staatsanwälte für Wirtschaftsdelikte, Pablo Vignaroli und Diego Azcárate, ordneten die gewaltsame Räumung des Protestcamps an, nachdem am Samstagabend der Minister für Inneres, Jorge Tobares, Anzeige erstattet hatte. Er warf den Protestierenden die Störung des sozialen Friedens und die Verbreitung von Drohungen über soziale Netzwerke vor.
Die Protestierenden machen den Gouverneur der Provinz Neuquén, Rolando Figueroa, sowie Führungskräfte der Ölfirmen für die Gewalteskalation verantwortlich. Sie vergleichen die Situation mit den schlimmsten Zeiten unter dem Gouverneur Jorge Sobisch und der Militärdiktatur. Die Ölfirmen regierten Neuquén, die bevölkerungsreichste Stadt Patagoniens, so Lefxaru Nawel, einer der Festgenommenen und Mitglied der Confederación Mapuche. Man werde sich nicht von ihnen regieren lassen.
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Die Protestaktion fand im urbanen Neuquén statt, da die Protestierenden bereits mit Gewalt von staatlicher Seite gerechnet hatten. Nach ihrer Einschätzung hätte es in einer ländlichen Gemeinde ohne Videokameras und öffentliche Sichtbarkeit zu einem Massaker kommen können. Auch in Neuquén werde jedoch verhindert, dass die Presse über das Ausmaß der Gewalt gegen die Mapuche berichtet.
Vier Tage später, am 24. Juli, marschierten mehr als 10.000 Menschen in Neuquén in Solidarität mit den Mapuche. Verschiedene Gemeinden und die Confederación Mapuche hatten dazu aufgerufen. Gewerkschaften, Menschenrechtsorganisationen und Parteien schlossen sich unter dem Motto "Einheit im Kampf gegen die Regierung der Ölkonzerne und die Repression" zusammen.
"Das Volk der Mapuche wird mit aller Kraft weiterkämpfen, bis es nicht nur die Rechtspersönlichkeit, sondern auch die territoriale Erfassung und das Recht auf Vorabkonsultation erhält", sagte der Sprecher und Rechtsbeistand der Gemeinden, Lef Newel. "Wir waren sechzig und erfuhren Repression, heute sind wir zu Zehntausenden auf den Straßen", sagte er zur Mobilisierung in Neuquén.

