Zacapa/Guatemala-Stadt. Drei Menschen sind am Morgen des 29. Juli bei der versuchten Räumung der Gemeinde Santa Rosalía de Mármol im Departamento Zacapa ums Leben gekommen. Nach Medienberichten handelt es sich bei den Toten um zwei Anwohner und einen Polizisten. Die beiden Anwohner starben noch vor Ort, der Polizist Erick Sacul auf dem Weg ins Krankenhaus.
Hintergrund der Auseinandersetzung ist ein Konflikt um Land. Das Wasserkraftunternehmen Hidroeléctrica Inversiones Pasabién S.A. beansprucht das Gebiet für sich. Nach Presseberichten sollen die Anwohner das Land des Unternehmens "besetzt" haben, die Anwohner verweisen darauf, dass ihre Gemeinde dort seit 1836 existiert.
Nach Angaben der Einwohner kam die Polizei am Morgen in die Gemeinde und habe "ohne Vorwarnung exzessive Gewalt" angewandt. In einem Video sagt ein Dorfbewohner: "Die Polizisten sind gekommen, töteten zwei unserer Compañeros wegen des Konfliktes um Land. Wir sind nicht korrupt, wir sind keine Kriminellen, wir sind Bauern, die ihr Land zurückfordern."
In einer Erklärung der Nationalen Zivilpolizei (PNC) heißt es, die "Maßnahmen waren Teil einer Sorgfaltspflicht, die vom Ministerium für öffentliche Angelegenheiten mit dem Ziel angefordert wurde, der Hidroeléctrica, Pasabién, S.A. Zugang zu dem ihr zugeschriebenen Eigentum zu gewähren, um gesetzlich genehmigte Reparaturarbeiten durchführen zu können." Nach Medienberichten haben vermummte und bewaffnete Personen die Polizisten mit Schüssen empfangen.
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In den Tagen nach dem 29. Juli blieb die Situation angespannt. Es gab ständige Polizeipatrouillen und Sorge vor erneuter Gewalteskalation. Santiago Boton, Journalist des Nachrichtensenders telesur, besuchte den Ort der Auseinandersetzung. Gegenüber amerika21 erklärte er, die Einwohner würden den "latenten Widerstand" fortsetzen und Unterstützung von verschiedenen Gemeinderäten und einigen Organisationen aus dem Landkreis Río Hondo erhalten.
Julio César Portillo Paz, Abgeordneter von Zacapa für die Partei Cabal, stellte sich in einer Rede vor dem Kongress hinter die Anwohner. Er sagte: "Ihnen wird geantwortet, sie würden dem guatemaltekischen Rechtssystem nicht vertrauen, aber was ist das für ein Justizsystem, welches 300 Polizisten in eine Gemeinde schickt, die seit 200 Jahren dort lebt. Was wollen sie dort, sie wollen die Gemeinderäte und unsere Einwohner von Zacapa töten, so kann es nicht weitergehen." Der Abgeordnete forderte Untersuchungen gegen das Unternehmen.
Cabal wird zum gemäßigt rechten Parteienspektrum gezählt, gehört aber nicht zum berüchtigten "Pakt der Korrupten". Darunter wird in Guatemala die Allianz aus korrupten Politikern, Teilen von Unternehmertum und organisierter Kriminalität verstanden, die etwas seit 2015 die Staatsgewalten weitgehend kontrollieren.
Mauro Vay, Generalkoordinator der Landarbeiterorganisation Codeca, erklärte in einem Interview mit Radio Victoria, es sei "traurig zu sehen, dass die Repression unter der aktuellen Regierung im Auftrag der transnationalen Konzerne wie unter den vorangegangenen Regierungen weitergeht".

