Popayán. Die kolumbianischen Streitkräfte haben am Montag 45 Soldat:innen im Munizip Tambo im Department Cauca aus den Händen mehrerer hundert Bäuer:innen befreit. Bereits zuvor waren 20 Militärs per Hubschrauber evakuiert worden.
Präsident Gustavo Petro reagierte erbost auf den Einsatz der Zivilgesellschaft gegen die Armee. Er drohte mit dem Einsatz von Pflanzenvernichtungsmitteln aus der Luft gegen illegale Koka-Anbauflächen: "Angesichts der mafiösen Taktik, Zivilisten gegen die Armee auszuspielen, muss das Verfassungsgericht sein Urteil überdenken. Dort, wo die Bürger die Armee angreifen, wird es Sprühflüge geben", schrieb er auf X.
Tambo ist eines der größten Kokaanbaugebiete Kolumbiens, wo zudem illegaler Goldbergbau stattfindet. Das tiefe Tal des Flusses Micay verbindet die dicht besiedelte Andenregion mit der Dschungelküste am Pazifik. Der Korridor ist strategisch wichtig für den Kokain-Transport in Richtung Norden.
Kontrolliert wird die Schattenwirtschaft von der Einheit Carlos Patiño der Farc-Dissidenz, die dem Zentralen Generalstab unter dem Kommando von Iván Mordisco unterstellt ist. Laut der Regierung instrumentalisiert die Splittergruppe der Guerilla die Zivilgesellschaft in Tambo gegen den Staat.
Seit Oktober 2024 führt das staatliche Militär dort die Operation Perseo durch, mit der es die Kontrolle über das lange vernachlässigte Gebiet zurückgewinnen will. Die Zivilbevölkerung befindet sich inmitten der Kämpfe zwischen beiden Fronten.
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Für viele der Bäuer:innen ist der Kokaanbau eine wichtige Einnahmequelle. Die Regierung möchte das ändern. "Die Bauern von Micay wissen, dass es an der Zeit ist, friedlich mit der Umstellung auf legale Landwirtschaft zu beginnen", postete Petro kürzlich auf X. Viele Bäuer:innen sind jedoch skeptisch. Zu oft wurden die Entschädigungen für die Umstellung auf Nutzpflanzen nicht gezahlt. Zudem gibt es in abgelegenen Regionen oft keine Alternative zur Finanzierung des Lebensunterhalts.
Das von Petro geforderte Besprühen von Anpflanzungen zur Drogenproduktion mit Glyphosat wurde 2022 vom Verfassungsgericht aufgrund seiner Gefahren für Umwelt und Gesundheit verboten (amerika21 berichtete). Die kolumbianische Rechte fordert seitdem die Wiederaufnahme der Flüge zur Drogenbekämpfung. Nun schlägt der linke Präsident denselben Ton an.
Es ist nicht die erste Festsetzung von Militärs durch Zivilpersonen. Erst vor einer Woche hatte der Verteidigungsminister Pedro Sánchez öffentlich gemacht, dass 34 Armeeangehörige das Verlassen eines Dorfes im Amazonasdepartmento Guaviare verwehrt wurde. Er bezeichnete den Vorfall als Entführung, weil er gegen den Willen der Militärs stattgefunden habe.
Vor zweieinhalb Monaten ereignete sich ebenfalls im Landkreis El Tambo ein vergleichbarer Vorfall wie diese Woche. Damals wurden 57 Militärs im Dorf La Hacienda von Bäuer:innen umzingelt. Bei deren Befreiung wurden mutmaßliche Täter:innen festgenommen, die aber aufgrund mangelnder Beweislage wieder auf freien Fuß gesetzt wurden. Laut der Tageszeitung El Tiempo handelt es sich bereits um den dreißigsten Aufstand von Zivilen gegen das Militär im laufenden Jahr.
"Was die Front alias Mordisco tut, ist ein schwerer Verstoß gegen das internationale humanitäre Recht, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das nicht verjährt und von der internationalen Justiz verfolgt wird", erklärt Sánchez. Bei den Truppen sorgt die ständige Gegenwehr von Zivilpersonen zu Demoralisierung und psychologischen Stress, wie einige Soldat:innen berichten.

