Guatemala-Stadt. Der ehemalige Militär Manuel Antonio Callejas y Callejas ist am 23. Juli in Guatemala gestorben. Callejas y Callejas war einer der Beschuldigten im Völkermordprozess, bei dem Verbrechen gegen die indigene Bevölkerung in der Region Ixil im Norden Guatemalas in den Jahren 1981 und 1982 verhandelt werden. Der Prozess musste jedoch nach einem Einspruch der Verteidigung wegen angeblicher Befangenheit der Richter komplett neu aufgerollt werden und liegt seitdem auf Eis, nachdem er Ende vergangenen Jahres bereits kurz vor einem Urteil stand (amerika21 berichtete). Schon davor war der Prozess, dessen Ermittlungen bereits 2019 begannen, mehrmals unterbrochen worden.
Callejas y Callejas war von 1978 bis 1982 Leiter des Geheimdienstes. Er wurde mit dem ehemaligen Armeechef Manuel Benedicto Lucas García und César Octavio Noguera, Operationschef der Armee, wegen Völkermord, Verbrechen gegen die Menschheit und dem Verbrechen des Verschwindenlassens angeklagt. Noguera starb 2020. Callejas y Callejas wurde am 3. Januar 2024 als verhandlungsunfähig eingestuft. Dies bestätigten damals auch unabhängige Gutachter, erklärte Nery Rodenas, Direktor des Menschenrechtsbüros des Erzbistums (Odhag), im vergangenen Jahr gegenüber amerika21. Im Prozess ging es nicht darum, die bereits sehr betagten Angeklagten in Haft zu sehen, sondern um Gerechtigkeit für die Opfer und den juristischen Nachweis, dass in Guatemala ein Völkermord stattgefunden hat, sagte Rodenas damals.
Es wird jedoch zunehmend unwahrscheinlich, dass dieser Nachweis noch erbracht werden kann. Der letzte noch lebende Angeklagte, García, ist mittlerweile 92 Jahre alt. "Eines der Ziele der Verteidigung, nämlich Mechanismen zur Verzögerung des Prozesses zu finden, wurde erreicht. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der natürliche Tod des Angeklagten eintritt, bevor das Verfahren wieder aufgenommen wird", wurde Rodenas nach dem Tod von Callejas y Callejas in der Presse zitiert.
Callejas y Callejas und weitere Angeklagte wurden 2018 im Fall Molina Theissen zu hohen Haftstrafen verurteilt. Callejas y Callejas kam jedoch 2023 durch ein Gerichtsurteil wieder auf freien Fuß. Der Fall Molina Theissen, einer von vielen vergleichbaren Fällen während des Bürgerkrieges, gelangte durch das beharrliche Engagement der Familie stärker als andere in die Öffentlichkeit und wurde juristisch verfolgt. Emma Guadalupe Molina Theissen, Aktivistin des kommunistischen Jugendverbandes Juventud Patriótica del Trabajo, wurde Ende September 1981 verhaftet und in einem Armeestützpunkt in Quetzaltenango gefoltert. Emma Theissen konnte nach neun Tagen aus dem Militärlager fliehen und wurde von Mitgliedern der Kommunistischen Partei ins Ausland gebracht. Einen Tag nach ihrer Flucht, am 6. Oktober 1981, wurde ihr erst 14-jähriger Bruder Marco Antonio von Bewaffneten aus seinem Haus entführt und verschwand spurlos.
Callejas y Callejas soll nach Medienangaben bereits 1946 Absolvent an der berüchtigten School of the Americas gewesen sein. An dieser von den USA betriebenen Militärschule in Panama wurden nach Presseangaben zwischen 1946 und 1998 insgesamt 1.544 guatemaltekische Militärs ausgebildet.
Nach seiner Geheimdiensttätigkeit setzte Callejas y Callejas seine Karriere fort. Unter der Diktatur von Efraín Ríos Montt (1982–1983) war er Migrationsminister, später wieder in militärischen und geheimdienstlichen Funktionen. 1989 soll er nach Medienangaben an dem Putschversuch gegen den 1986 nach Jahrzehnten der Militärdiktaturen demokratisch gewählten Präsidenten Vinicio Cerezo (1986–1991) beteiligt gewesen sein. 1990 verließ Callejas y Callejas die Armee. Sein Tod wurde vergangene Woche in einer offiziellen Traueranzeige des Verteidigungsministeriums bekannt gegeben.


