Bolivien / Politik

Bolivien: Ex-Minister am Flughafen festgehalten, Untersuchungshaft gegen Arce angeordnet

Ehemaligem Präsidenten wird Korruption vorgeworfen. Del Castillo wurde in Santa Cruz mehrere Stunden angehalten, die Behörden verwiesen auf ein Ausreiseverbot

luis_arce.jpg

Luis Arce (rechts im Vordergrund) in seinen letzten Tagen als Präsident Boliviens. Aktuell sitzt der Politiker in Untersuchungshaft
Luis Arce (rechts im Vordergrund) in seinen letzten Tagen als Präsident Boliviens. Aktuell sitzt der Politiker in Untersuchungshaft

Sucre/Santa Cruz. Eduardo del Castillo, ehemaliger Innenminister der Regierung von Luis Arce, ist am vergangenen Montag für mehrere Stunden am Flughafen in Santa Cruz festgehalten worden. Nach Angaben der Behörden läge seit dem Ende der Amtszeit von Arce ein Ausreiseverbot gegen ihn vor. Del Castillo und der Bürger Abad Rudolfo Loayza hätten sich unkooperativ verhalten und Sicherheitskontrollen verweigert, schrieb teleSUR. Daher wären laut dem stellvertretenden Minister für Soziale Sicherheit, Ernesto Justiniano, Einsatzkräfte der Spezialeinheit zur Bekämpfung des Drogenhandels eingeschritten und hätten die beiden Männer festgenommen.

Ein Richter ordnete nach einem Eileinspruch von Del Castillo noch am Abend dessen Freilassung an. Nach Angaben von Del Castillo wollte er mit seiner Tochter zu einer medizinischen Untersuchung nach Chile reisen. Nach der richterlichen Entscheidung durfte er die Reise antreten. Nach Bekanntwerden der Entscheidung begrüßte Del Castillo das Urteil des Gerichts und bekräftigte seine Behauptung, seine Inhaftierung sei rechtswidrig und Teil einer unbegründeten und haltlosen Verfolgung.

Del Castillo war von November 2020 bis Mai 2025 Innenminister Boliviens. Bei den Wahlen im vergangenen Jahr kandidierte er für die MAS (Movimiento al Socialismo) als Staatspräsident, erreichte aber nur 3,1 Prozent der Stimmen.

Sie interessieren sich für das Geschehen im Globalen Süden?

Wir versorgen Sie mit Nachrichten und Hintergründen aus Lateinamerika. Unterstützen Sie uns mit einer Spende.

Bereits am 10. Dezember war der ehemalige Präsident Luis Arce unter Korruptionsvorwürfen inhaftiert worden. Drei Tage später ordnete ein Gericht fünf Monate Untersuchungshaft an. Die Vorwürfe beziehen sich auf angebliche Korruption beim Fonds für indigene Völker und betreffen noch Arces Zeit als Finanzminister. 2019, im letzten Jahr der Regierung von Evo Morales, hatte er dieses Amt vom 23. Januar bis zum November ausgeübt.

Arces ehemalige Ministerin im Präsidialamt, Maria Nela Prada, erklärte nach der Verhandlung gegenüber den Medien, dass "alle Entscheidungen von vornherein feststehen", ohne "zu irgendeinem Zeitpunkt seine Unschuld, wie es das Verfassungsprinzip vorsieht, anzunehmen, sondern vielmehr seine Schuld". Die Staatsanwaltschaft habe die Untersuchungshaft unter anderem mit Fluchtgefahr begründet, Arce habe eine Adresse angegeben, in der er nicht wohne und sei zurzeit ohne Anstellung. Prada hielt dagegen, Arce wohne im gleichen Haus wie seit Jahren, die Verfolgung sei politisch motiviert, Arce ein "politischer Gefangener".

Die MAS, die Bolivien 20 Jahre regiert hatte, hatte die Wahlen im August 2025 deutlich verloren. Die Stichwahl im Oktober gewann der christdemokratische Kandidat Rodrigo Paz. Gegen eine seiner ersten Maßnahmen, die Rücknahme der Subventionen für Kraftstoffe, wird seit zwei Wochen in Bolivien demonstriert (amerika21 berichtete). Arce schrieb am 18. Dezember einen Brief aus dem Gefängnis San Pedro in La Paz, in dem er die Maßnahmen seines Nachfolgers scharf kritisierte.