Nicaragua: Freilassungen politischer Häftlinge und zeitgleich neue Festnahmen

Anlass für neue Festnahmen sollen Äußerungen zur Entführung von Maduro gewesen sein. Eine unabhängige Bestätigung fehlt

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Dutzende von Personen wurden am Samstag aus dem Gefängnis entlassen und kehrten zu ihren Familien zurück, wie die Regierung von Managua mitteilte.
Dutzende von Personen wurden am Samstag aus dem Gefängnis entlassen und kehrten zu ihren Familien zurück, wie die Regierung von Managua mitteilte.

Managua. Die Regierung Nicaraguas hat am 10. Januar 2026 die Freilassung "mehrerer Dutzend Gefangener" bekanntgegeben, während Menschenrechtsorganisationen nahezu zeitgleich eine Serie neuer Festnahmen meldeten. Nach deren Angaben wurden mindestens 60 Menschen festgenommen, nachdem sie sich zu Berichten über die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro positiv geäußert hatten. Über diese Festnahmen liegt keine unabhängige Bestätigung vor.

Nach offiziellen Angaben erfolgten die Freilassungen anlässlich des 19. Jahrestages der Regierungsübernahme von Präsident Daniel Ortega. Die Betroffenen seien aus verschiedenen Haftanstalten entlassen und zu ihren Familien zurückgebracht worden. In einer Erklärung bezeichneten die Behörden die Maßnahme als einen Akt des "Zusammenkommens, des Friedens und des Rechts auf ein respektvolles Zusammenleben". Eine konkrete Zahl der Freigelassenen nannten die Behörden nicht. Auch blieb offen, wie viele von ihnen als politische Gefangene gelten.

Medien und Menschenrechtsorganisationen berichteten jedoch, dass sich unter den Freigelassenen auch mindestens 20 Personen befänden, die als politische Häftlinge eingestuft werden. Die Freilassungen erfolgten einen Tag, nachdem die lokale Botschaft der Vereinigten Staaten öffentlich die Entlassung politischer Gefangener in Nicaragua gefordert hatte. In diesem Zusammenhang verwiesen US-Vertreter:innen auch auf die Freilassung politischer Gefangener in Venezuela. 

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Parallel dazu berichteten Menschenrechtsorganisationen über Festnahmen in mehreren Teilen Nicaraguas. Den Angaben zufolge wurden mindestens 60 Personen in der vergangenen Woche festgenommen, nachdem sie in sozialen Netzwerken oder im privaten Umfeld zustimmende Kommentare zur Entführung Nicolás Maduros veröffentlicht oder weiterverbreitet hatten. Laut der Menschenrechtsorganisation Monitoreo Azul y Blanco seien die Betroffenen wegen "Kommentaren in sozialen Medien, privaten Feiern oder der Weigerung, offizielle Propaganda zu verbreiten" verhaftet worden, berichtet die Deutsche Welle. 

Nach Angaben der Organisationen erfolgten die Festnahmen ohne öffentlich bekannte richterliche Anordnungen. Mehrere der Betroffenen seien an unbekannte Orte gebracht worden. Über formelle Anklagen, laufende Ermittlungsverfahren oder den rechtlichen Status der Festgenommenen lagen zum Zeitpunkt der Berichterstattung keine Informationen vor. Angehörige berichteten, sie hätten bislang keine Auskünfte von den Behörden erhalten. Die nicaraguanische Regierung äußerte sich zu den Vorwürfen im Zusammenhang mit den jüngsten Festnahmen nicht. Menschenrechtsorganisationen bewerteten die Maßnahmen als politisch motiviert und forderten die Freilassung der Betroffenen.

Nicaragua steht seit den Protesten von 2018 international in der Kritik wegen systematischer Repressionen gegen Opposition, Medien und Zivilgesellschaft. Die nahezu zeitgleiche Freilassung von Gefangenen und die Festnahme Dutzender Menschen wegen politischer Meinungsäußerungen verdeutlichen die widersprüchliche Entwicklung der politischen Lage im Land. Ob die aktuellen Freilassungen einen dauerhaften Wandel signalisieren oder auf einzelne Maßnahmen beschränkt bleiben, lässt sich auf Grundlage der vorliegenden Informationen nicht abschließend beurteilen.