Peru / Soziales

Zehn Opfer pro Tag: Busfahrer in Peru streiken für Sicherheit

Lima und Callao verzeichnen Fahrzeugmangel. Über 320 Firmen beteiligen sich. Gewerkschaften fordern Schutz und Gespräche mit dem Staat

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Busfahren ist in Peru gefährlich. Bereits 37 Menschen wurden im Jahr 2026 ermordet, darunter auch Busfahrer und Passagiere
Busfahren ist in Peru gefährlich. Bereits 37 Menschen wurden im Jahr 2026 ermordet, darunter auch Busfahrer und Passagiere

Lima. Ein Streik im öffentlichen Verkehr in der peruanischen Haupstadt Lima sowie im benachbarten Callao bringt dort das öffentliche Leben derzeit immer wieder zum Erliegen. Die Forderungen der Streikenden: Mehr Sicherheit, Prävention und Gespräche mit der Regierung angesichts der andauernden Welle von Gewalt gegen Fahrer.

Bereits nach den ersten Stunden seit Beginn des Streiks am 14. Januar um 0:00 Uhr registrierten Lima und Callao eine markante Verknappung der zur Verfügung stehenden Transportfahrzeuge. Mehr als 320 Fahrdienstunternehmen beteiligen sich am Streik. Dies führte dazu, dass Tausende Fahrgäste warten und teilweise das Doppelte des üblichen Tarifs (etwa für Taxis oder andere Fahrdienstleister) bezahlen mussten, um an ihr Ziel zu gelangen.

Obgleich der Streik bei vielen Menschen kurzzeitig Frustration bezüglich Verspätungen und stressiger Planänderungen auslöste, überwog das Verständnis für die Situation und die Verzweiflung der Busfahrer. Die Gewalt betrifft häufig auch die Fahrgäste und ist in ganz Peru gestiegen.

Héctor Vargas, Präsident der Verkehrsunternehmen von Lima und Callao, betonte die Notwendigkeit des Streiks für die gesamte Gesellschaft: "Wenn wir protestieren, dann weil wir alle betroffen sind". Deshalb habe man auch alle Gewerkschaften zusammengebracht, um "diesem Anspruch auf das Recht zu Leben gerecht zu werden". Die Gewerkschaftsführer fordern Treffen mit den drei Staatsgewalten und dringende Sicherheitsmaßnahmen. Der Sprecher der Gewerkschaft der Verkehrsbetriebe von Lima und Callao, Martin Ojeda, unterstrich die Dringlichkeit des Anliegens: "Wir zählen täglich rund zehn getötete oder verletzte Fahrer und Passagiere".

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Laut Zahlen des Gesundheitsministeriums wurden in Peru allein in der ersten Januarwoche 37 Morde verübt, zehn in Lima, fünf in Callao. "Es gibt kein System, das uns schützt und keinerlei Maßnahmen der Prävention", beklagte Ojeda. So sei Polizeipräsenz gerade zu kritischen Zeiten notwendig, etwa in den frühen Morgenstunden und kurz vor Ende des Arbeitstages der Fahrer. Unter der grassierenden Gewalt leiden ganz besonders auch die Familien der Opfer. Die Ehefrau eines arbeitsunfähigen Fahrers, der Opfer eines Angriffs wurde, richtete emotionale Worte direkt an José Jeri: "Herr Präsident, mein Mann hat keine Arbeit, braucht Medikamente und Therapie. Sie sagen, dass wir Hilfe bekommen werden. Wer hat uns geholfen: Niemand."

Neben der Unterstützung der Familien ermordeter oder verletzter Fahrer fordern die Streikenden die Umsetzung eines Gesetzes zur Schaffung einer Eliteeinheit zur Bekämpfung der Kriminalität sowie die strikte Durchsetzung des Verbots zweier Personen auf einem Motorrad.

Präsident José Jeri kündigte an, dass das Gesetz 32.490 diesen Samstag umgesetzt werde. Dieses Gesetz verpflichtet den Staat zu finanzieller Entschädigung der Betroffenen von Gewalt, etwa in Form zinsloser Bankkredite oder direkter Finanzhilfen. Dazu soll ein spezieller Fonds geschaffen werden, der sich aus der Beschlagnahme von Wertgegenständen und Immobilien der organisierten Kriminalität zusammensetzen wird.

Jeri kündigte zusammen gemeinsam mit Verkehrsminister Also Prieto an, es werde eine Verschärfung des Verbots der Mitfahrt zweier Personen auf einem Motorrad und eine strengere Überwachung dieser Maßnahme durch die Polizei geben. Darüber hinaus betonte der Staatschef, dass er regelmäßige Treffen mit den Gewerkschaftsführern abhalten wolle, um die Wirkungen der Gesetzgebung zu bewerten.