Lima. Der Hauptverdächtige im Fall des Tötungsdelikts am Journalisten Juan Núñez Guevara sowie des versuchten Mordes an dessen Bruder muss ins Gefängnis. Ein Gericht ordnete am Mittwoch 18 Monate Untersuchungshaft an. Das Verbrechen geschah am 6. Dezember 2025 in der Provinz Pacasmayo, in der Núñez Guevara eines der aktivsten Medienunternehmen aufgebaut hatte. Der Verdächtige habe von einem Motorrad aus auf beide Brüder geschossen, als diese auf dem Rückweg von einem Pressetermin waren, informierten die Behörden.
Der Beschuldigte ist ein Jugendlicher von 16 Jahren. Ein Muster, das häufig vorkommt: Kriminelle Organisationen setzen Jugendliche als Auftragsmörder ein, da diese strafrechtlich milder behandelt werden. In diesem Zusammenhang steht die Frage nach einer Verschärfung des Jugendstrafrechts im Raum. Kritiker verweisen allerdings darauf, dass härtere Strafen nicht zwangsläufig zu weniger Delikten führen, da die prägenden Ursachen wie Armut, fehlender Zugang zu Bildung sowie soziale Marginalisierung und Ausgrenzung dadurch nicht verschwinden.
Der Fall Núñez Guevara zeigt, dass abseits der großen Medien vermehrt auch Lokaljournalisten zur Zielscheibe werden, wenn sie kritisch und unabhängig über Missstände berichten. Der Mord reiht sich in eine Spirale der Gewalt gegen Journalisten ein, die die peruanische Gesellschaft betrifft.
Laut dem jährlichen Bericht der nationalen Journalistenvereinigung ANP war 2025 ein besonders gefährliches Jahr für die Branche. Demnach gab es 458 Angriffe auf Journalisten. Peru liege in Lateinamerika damit auf dem zweiten Platz hinter Mexiko, wo noch mehr Gewalt gegen Journalisten verzeichnet werde, warnt die ANP. Neben Körperverletzung bis hin zu Mord handelte es sich dabei um Drohungen, Hetze und Behinderung der Pressearbeit. Vier Menschen wurden bei der Ausübung ihres Berufs im vergangenen Jahr von Auftragskillern ermordet: Gastón Medina Sotomayor, Direktor von Cadena Sur; Raúl Celis López, Radiomoderator aus Iquitos; Juan Núñez Guevara sowie Mitzar Castillejos Tezanoa, Journalist aus Auguaytia.
Keine Werbung, keine Paywall, aber trotzdem Nachrichten aus Lateinamerika?
Das geht nur mit den Spenden unserer Leserinnen und Leser. Unterstützen Sie uns jetzt.
"Die Opfer berichteten über lokale Missstände, Korruption und Kriminalität, wodurch sie einem erhöhten Risiko ausgesetzt waren. Es handelte sich bei keinem der Verbrechen um Raubüberfälle oder zufällige Vorfälle, sondern um direkte Vergeltungsmaßnahmen gegen ihre journalistische Arbeit", schreibt die ANP in ihrem Bericht. Das Ziel der Gewalt ist, Schweigen zu erzwingen, um die Macht krimineller Organisationen und korrupter Politiker zu festigen.
Rund um die Parlamentswahlen im April 2026 werde die Gefahr für Journalisten weiter wachsen, ist die Prognose des Branchenverbands. Der Staat ist dabei nicht nur hinsichtlich des Schutzes der Pressefreiheit vielfach überfordert, sondern oft selbst Teil des Problems. So gehen Übergriffe auf Journalisten nicht selten von Amtsträgern und Sicherheitskräften aus.
Die Einschränkung unabhängiger Journalisten und NGOs durch den Gesetzgeber (amerika21 berichtete) als auch Einschüchterungen bis hin zu massiver Gewalt bedrohen die Arbeit der Aufklärung und Meinungsbildung (amerika21 berichtete). Viele Journalisten wollen sich davon jedoch nicht einschüchtern lassen und weiterhin ihre Kontrollfunktion in Politik und Gesellschaft wahrnehmen. "Wir werden nicht schweigen", sagt Zuliana Lainez, Präsidentin der ANP.


