Kuba / Politik / Wirtschaft

Dieseltanker steuert Kuba an trotz US-Blockade

Ladung vor Zypern per Schiff-zu-Schiff-Transfer übernommen. Etwa 200.000 Barrel an Bord. Ankunft Anfang März erwartet

kuba_soli_weltweit_alba_movimientos.png

Kuba braucht weltweite Solidarität - jeder Mensch kann helfen. Aufruf von Alba Movimientos
Kuba braucht weltweite Solidarität - jeder Mensch kann helfen. Aufruf von Alba Movimientos

Havanna. Ein mit rund 200.000 Barrel Dieseltreibstoff beladener Öltanker hat Kurs auf Kuba genommen. Wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Daten des Marktanalyseunternehmens Kpler berichtet, übernahm die Sea Horse ihre Ladung in einem Schiff-zu-Schiff-Transfer vor der Küste Zyperns. Die Ankunft wird für Anfang März erwartet.

Ob der Tanker die US-Seeblockade durchbrechen kann, ist ungewiss. Die US-Streitkräfte haben bislang mindestens neun Schiffe beschlagnahmt, die im Verdacht stehen, Treibstoff nach Kuba zu transportieren. Zuletzt wollte der Öltanker Ocean Mariner Ende Januar eine Ladung Kraftstoff nach Kuba bringen, wurde jedoch von der US-Küstenwache verfolgt und kurz vor seinem Ziel zur Umkehr gezwungen. Das Schiff wurde zunächst in dominikanische Gewässer und später in Richtung Bahamas eskortiert. Am 17. Februar gelang es offenbar erstmals seit Januar wieder einem Tanker – der Nikos I.V. – eine Ladung unbekannter Menge und Herkunft in Kuba zu löschen.

Der Energieanalyst Rohit Rathod schätzt, dass die im Dezember eingegangenen Lieferungen noch einige Wochen reichen werden. "Ich würde sagen, dass ihnen Ende März der Treibstoff ausgeht", so Rathod gegenüber Bloomberg.

Sie schätzen unsere Berichterstattung?

Dann spenden Sie für amerika21 und unterstützen unsere aktuellen Beiträge über das Geschehen in Lateinamerika und der Karibik. Damit alle Inhalte von amerika21.de weiterhin für Alle kostenlos verfügbar sind.

Kubas Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla hat unterdessen seine diplomatischen Bemühungen intensiviert. In Moskau traf er Russlands Präsidenten Wladimir Putin, der die Blockade verurteilte und Unterstützung zusicherte. Zuvor hatte Rodríguez Parrilla Spanien besucht, das Kuba Hilfslieferungen zugesagt hatte. Am Donnerstag traf er seinen französischen Amtskollegen Jean-Noël Barrot in Paris. Parallel warb der kubanische Außenminister beim UNESCO-Generalsekretär um internationale Unterstützung gegen die US-Wirtschaftssanktionen.

US-Präsident Donald Trump hatte nach der Festnahme des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro durch einen US-Militäreinsatz Anfang Januar die Wirtschaftssanktionen gegen Kuba verschärft. Am 29. Januar rief Trump per Exekutivanordnung einen nationalen Notstand aus und erklärte die kubanische Regierung zur "außergewöhnlichen Bedrohung" für die US-amerikanische Sicherheit. Das Dekret ermächtigte Washington, Strafzölle auf Waren aus Ländern zu erheben, die direkt oder indirekt Öl an Kuba liefern.

Einen Rückschlag erlitt Trumps Politik jedoch am Mittwoch: Der Oberste Gerichtshof der USA kippte mit sechs zu drei Stimmen die auf Notstandsgesetze gestützte Zollpolitik der Regierung und entzog damit der zentralen Druckkulisse gegen Kuba-Lieferanten ihre rechtliche Grundlage. Trumps Exekutivanordnung vom Januar – die bislang Kubas ehemals wichtigsten Lieferanten Mexiko von Lieferungen abgehalten hatte – basierte ebenfalls auf dem nun für verfassungswidrig erklärten IEEPA-Notstandsgesetz. Ob dies die US-Regierung jedoch von weiteren Operationen der Küstenwache und anderen Druckmitteln abhalten wird, bleibt fraglich.