Bolivien entzieht der Demokratischen Arabischen Republik Sahara die Anerkennung

Regierung setzt Beziehungen zur DARS aus. Botschaft wird geschlossen. Paz sucht Marokkos Unterstützung in der Wirtschaftskrise

placso_logo-850x560-1-700x461.jpg

PLASCO, die Plattform der Solidarität mit dem saharauischen Volk für Lateinamerika und der Karibik, kritisiert Präsident Paz für den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur DARS
PLASCO, die Plattform der Solidarität mit dem saharauischen Volk für Lateinamerika und der Karibik, kritisiert Präsident Paz für den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur DARS

La Paz. Nach der einseitigen Aussetzung der diplomatischen Beziehungen Boliviens zur Demokratischen Arabischen Republik Sahara (DARS) hagelt es internationale Kritik. Der Schritt der Regierung von Präsident Rodrigo Paz ist ein Bruch mit einer jahrzehntelangen Tradition der Unterstützung antikolonialer Prozesse durch den Andenstaat.

Das Land in der Westsahara gilt als letzte Kolonie Afrikas und wird in großen Teilen militärisch von Marokko kontrolliert und besetzt. Infolge der marokkanischen Besatzung hat sich eine verheerende humanitäre Krise entwickelt und das Recht auf Selbstbestimmung des saharauischen Volkes wird systematisch unterdrückt. 20.000 Tote, unzählige Verschwundene und fast 200.000 vertriebene Sahrawis, die in vielen Fällen seit 1975 in Flüchtlingslagern leben müssen, sind das Ergebnis.

In einem Kommuniqué gab das bolivianische Außenministerium bekannt, dass die beiden Amtskollegen aus Marokko und Bolivien, Fernando Aramayo und Nasser Bourita, in einem Telefonat eine Neuausrichtung der gegenseitigen Beziehungen besiegelten. Kritiker sehen darin einen Kuhhandel: Während Bolivien die Demokratische Arabische Republik Sahara diplomatisch und politisch fallen lässt, erhofft sich Präsident Paz im Gegenzug die Unterstützung Marokkos in der momentanen Wirtschaftskrise.

Der Schritt bedeutet die Schließung der bolivianischen Botschaft. Die DARS wird bis heute in Lateinamerika auch von Staaten wie Mexiko, Kuba und Uruguay sowie der Afrikanischen Union anerkannt. Aktuell pflegen noch etwa 40 Staaten diplomatische Beziehungen zu dem Land.

Sie schätzen unsere Berichterstattung?

Dann spenden Sie für amerika21 und unterstützen unsere aktuellen Beiträge über das Geschehen in Lateinamerika und der Karibik. Damit alle Inhalte von amerika21.de weiterhin für Alle kostenlos verfügbar sind.

Ex-Präsident Evo Morales kritisiert auf X die Entscheidung: "Das ist eine Maßnahme, die den Grundsätzen unserer Verfassung und der demokratischen und antikolonialistischen Tradition Boliviens widerspricht." Morales weiter: "Eine der ersten diplomatischen Maßnahmen, die Hernán Siles Suazo kurz nach der Wiederherstellung der Demokratie im Dezember 1982 ergriff, war die Anerkennung der DARS. Unter der Präsidentschaft von Jaime Paz Zamora wurden dann die diplomatischen Beziehungen unterzeichnet." Die offiziellen diplomatischen Beziehungen wurden damals unter der Präsidentschaft von Jaime Paz Zamora aufgenommen – dem Vater des heutigen Präsidenten Rodrigo Paz.

Die lateinamerikanische und karibische Plattform der Solidarität mit dem sahrauischen Volk kündigte umgehend Widerstand an, der darauf abzielt, dass die diplomatischen Beziehungen des plurinationalen Staates Boliviens mit der DARS wiederaufgenommen werden. In einem gemeinsamen Dokument heißt es: "Selbstbestimmung ist ein unverzichtbares Prinzip; die Entkolonialisierung kann nicht durch eine einseitige Entscheidung rückgängig gemacht werden, und die Würde der Völker duldet weder Rückschritte noch Zwänge".

"Bolivien hat das Recht, seine Außenpolitik neu zu definieren. Was es jedoch nicht hat, ist das Recht, seine Geschichte zu vergessen oder Prinzipien zu relativieren, für die es eintrat, als es allein gegen die Ausbeutung kämpfte", erklärte der sahrauische Botschafter für Lateinamerika und die Karibik, Mohamed Zrug.