Proteste in Mexiko nach Mord an zwei Studentinnen in Morelos

An der UAEM ruht der Lehrbetrieb. Tausende verlangen mehr Schutz auf dem Gelände

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Wandmalerei auf dem Gelände der UAEM erinnert an die ermordete Studentin Kimberly Ramos
Wandmalerei auf dem Gelände der UAEM erinnert an die ermordete Studentin Kimberly Ramos

Cuernavaca. Kurz vor dem internationalen Frauentag sind im zentralmexikanischen Bundesstaat Morelos zwei Studentinnen der öffentlichen Hochschule ermordet worden. Die Opfer, beide 18 Jahre alt, studierten an der Autonomen Universität des Bundesstaates Morelos (UAEM). Unter dem Slogan "Wir sind hier, um zu studieren, nicht um verschleppt zu werden", streiken nun die Studierenden und das Lehrpersonal. Sie verlangen Gerechtigkeit für die ermordeten Kommilitonen und Sicherheit auf dem Campus.

Die Informatikstudentin Kimberly Ramos Beltrán verschwand am 20. Februar nach dem Unterricht auf dem Campus in Cuernavaca spurlos. Auf einer Demonstration am 26. Februar kritisierten Familienangehörige, Freunde und Kommilitonen die schleppende Suche nach der jungen Frau. Kurz nach dem Protest leiteten die Behörden umfangreichere Suchmaßnahmen ein. Am Montag, dem 2. März, fanden sie ihre Leiche in einem Wald nur wenige Meter oberhalb des Campus der Universität.

Am selben Tag, an dem Kimberly gefunden wurde, verschwand Karol Toledo Gómez, nachdem sie den Unterricht in ihrem Jurastudium an der UAEM im Campus von Mazatepec besuchte - nur 20 Kilometer südlich. Am 5. März, drei Tage nach ihrem Verschwinden, wurde auch Karol ermordet aufgefunden.

Aufgrund der Gewalt und der Unsicherheit beschloss die Studentenversammlung diese Woche einen unbefristeten Streik. Ein Großteil der rund 30.000 Studierenden im an Mexiko Stadt angrenzenden Bundesstaat Morelos beteiligt sich an den täglichen Protestmärschen. Diese verliefen überwiegend friedlich. Nach dem Bekanntwerden der Ermordung von Kimberly sind allerdings einige Scheiben des Regierungsgebäudes von Morelos zu Bruch gegangen.

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Sowohl die Rektorin der Universität, Viridiana Aydeé León Hernández, als auch die Gouverneurin von Morelos, Margarita González Saravia, stehen in der Kritik. Die öffentliche Universität unterzeichnete mit dem kleinen, unbekannten Unternehmen namens Hebron millionenschwere Verträge über die Sicherheit in ihren Installationen. Der Mehrheitsgesellschafter dieses Unternehmens ist Jean Aoki Reyes Urióstegui, ein evangelikaler Pastor, der als Aktionär oder gesetzlicher Vertreter von mindestens 16 Unternehmen in Erscheinung trat und enge Kontakte zu Politikern der rechtsevangelikalen Partei PES sowie der gemäßigt linken Partei Morena pflegt.

Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum bestätigte ihrerseits, dass eine Person wegen ihrer möglichen Beteiligung am Verschwinden und Tod von Kimberly festgenommen worden sei. Der Mord an Kimberly werde als Femizid untersucht, versprach Sheinbaum.

Nach Angaben des mexikanischen Sekretariats für öffentliche Sicherheit verzeichnete der Bundesstaat Morelos zwischen Januar und Juli 2025 mit 22 Fällen eine Femizidrate von 2,07 Opfern pro 100.000 Frauen. Das ist die höchste Frauenmordrate in Mexiko, fast viermal so hoch wie der nationale Durchschnitt von 0,58. Für ganz 2025 untersuchte die Staatsanwaltschaft 38 Fälle von Morden an Frauen als Femizide, wobei insgesamt jedoch 121 Frauen ermordet wurden. Der auf Sicherheitsthemen spezialisierte Journalist Ricardo Ravelo warnte, in Morelos werde "die Hälfte der Gemeinden von der organisierten Kriminalität regiert". Die Lage sei "äußerst ernst".

Die systematische Gewalt gegen Frauen wird ein zentrales Thema auf den mexikanischen Demonstrationen des 8. März sein. Die Studierenden von Morelos bereiten für Sonntag eine Großdemonstration vor. Inmitten dieser Mobilisierungen haben vermummte Studierende der UAEM bekanntgegeben, sie hätten per Textnachrichten Drohungen erhalten. Darunter auch eine, die davor warnte, wenn sie ihre Proteste nicht stoppten, würde aus jeder Fakultät eine Frau verschleppt werden. "Vertraut niemandem und bleibt zusammen", so der Ratschlag der Protestierenden.