Mexiko-Stadt. Nordamerika erlebt die schlimmste Masernepidemie seit über 30 Jahren. Insbesondere verarmte indigene Regionen in Mexiko kämpfen mit den Folgen der Erkrankung. Den ersten aus den USA eingeschleppten Fall meldete Mexiko bereits im Februar 2025. Ein Jahr danach zählt das Gesundheitsministerium 12.556 im Labor bestätigte Fälle, die Hälfte davon seit Beginn dieses Jahres.
Angesichts der Bedrohung versucht das mexikanische Gesundheitswesen, die Masern-Impflücke abzudecken, die nicht zuletzt während der Covid-Epidemie entstanden ist. "Seit dem ersten Masernfall in Chihuahua im letzten Jahr haben wir bereits fast 22 Millionen Masernimpfungen verabreicht", betonte Eduardo Clark, Staatssekretär für Koordinierung der Gesundheitsversorgung, auf einer Presskonferenz Anfang März.
Trotz der verstärkten Impfkampagnen hat sich das hochansteckende Virus auf alle Bundesstaaten des Landes ausgebreitet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt, Masernepidemien könnten speziell bei unterernährten Kleinkindern zu vielen Todesfällen führen.
Zu Beginn der Epidemie kämpfte die verarmte indigene Region Tarahumara in Chihuahua mit den bisher gravierendsten Folgen. In diesem nördlichen Bundesstaat wurden 21 der insgesamt 34 Todesfälle im Land registriert, darunter viele Kleinkinder der Ethnie Raramuri. Im vergangenen Winter war dann die Region Altos in Chiapas von der Seuche stark betroffen. Intensive Impfkampagnen, auch in autonomen indigenen Gemeinden, konnten die Zahl der Erkrankten etwas eindämmen. Momentan nehmen die Krankheitsfälle im Bundesstaat Jalisco und auch in Mexiko-Stadt stark zu. In Schulen und Spitälern im Epidemiegebiet wird die Maskenpflicht eingeführt.
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Die WHO betont, dass eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent erforderlich sei, um das Virus zu stoppen, was derzeit in vielen Ländern nicht erreicht wird. Schätzungen zufolge gab es im Jahr 2024 weltweit 95.000 Todesfälle durch Masern, überwiegend bei Kindern unter fünf Jahren, die nicht oder nicht vollständig geimpft waren. Unter den besorgniserregenden Komplikationen befindet sich zudem die akute Gehirnentzündung, die zu bleibenden Hirnschäden führen kann. Diese tritt in einem von rund 1.000 Fällen auf.
Die Fälle von Masern haben nicht nur in Mexiko epidemische Ausmaße angenommen, sondern auch in Kanada und den USA, und dies kurz vor der gemeinsam ausgetragenen Fußball-Weltmeisterschaft. Das kolumbianische Gesundheitsministerium, das eben die ersten importierten Fälle registrierte, forderte seine Landsleute, die nach Mexiko, in die USA und nach Kanada reisen, dazu auf, sich unbedingt vorher gegen Masern zu impfen.
Für Jorge Baruch Díaz, Leiter der Reiseklinik der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM), ist klar, dass die Weltmeisterschaft einen weiteren Anstieg der Masernfälle auslösen werde: "Mit großer Sicherheit wird es in den drei Ländern, die die Weltmeisterschaft ausrichten, nach dem Turnier zu einer Infektionswelle kommen. Das wird passieren, weil keines der drei Länder in der Lage sein wird, die fehlenden Zehn Prozent der Bevölkerung in weniger als vier Monaten zu impfen, um eine Immunisierung zu erreichen", erklärte Baruch Díaz gegenüber der Presse. Die Folgen der WM als möglicher "Superspreading Event" könnten nicht ungeimpfte Fußballfans, sondern verarmte lateinamerikanische Kleinkinder treffen.

