Havanna/Washington. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel hat am Freitag bestätigt, dass kubanische Funktionäre "kürzlich" einen Dialog mit Vertretern der US-Regierung aufgenommen haben. In einer Ansprache vor Regierungsmitgliedern erklärte er, Ziel der Gespräche sei es, "durch Dialog Lösungen für die bilateralen Differenzen" zu finden. Einigungen seien jedoch noch "weit entfernt". Geleitet werde der Dialog von Raúl Castro und Miguel Díaz-Canel.
Díaz-Canel betonte, Kuba bestehe auf einem Prozess "auf der Grundlage von Gleichheit und Respekt gegenüber den politischen Systemen beider Staaten". Der Dialog werde mit "Ernsthaftigkeit und Verantwortungsbewusstsein" geführt.
Ohne konkrete Namen zu nennen, erklärte Díaz-Canel, dass "internationale Akteure" die Kontakte erleichtert hätten. Hinweise verdichten sich, dass der Vatikan – wie bereits bei der Annäherung beider Länder 2014 – erneut als Vermittler fungiert. Einen Tag vor der Bekanntgabe hatte Havanna die Freilassung von 51 Gefangenen angekündigt, ausdrücklich im Zeichen der Beziehungen zum Heiligen Stuhl. Kubas Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla wurde zuletzt von Papst Leo XIV. empfangen; parallel hielt ein hochrangiger US-Diplomat Gespräche mit dem vatikanischen Außenministeriumsäquivalent ab. Weder Washington noch Havanna haben eine Vermittlungsrolle des Vatikans offiziell bestätigt.
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US-Präsident Donald Trump hat in den vergangenen Wochen wiederholt erklärt, sein Kabinett führe Gespräche mit Havanna. Kuba hat dies zunächst dementiert, zuletzt jedoch auf weitere Zurückweisungen verzichtet. Laut einem Bericht von USA Today bereitet das Weiße Haus ein Wirtschaftsabkommen vor, das Lockerungen bei Reisebeschränkungen sowie Vereinbarungen zu Häfen, Energie und Tourismus umfassen könnte. Auch eine begrenzte Lockerung der Sanktionen soll im Gespräch sein.
Medienberichten zufolge haben Berater von Außenminister Marco Rubio Kontakte zu Raúl Guillermo Rodríguez Castro, Enkel des früheren Präsidenten Raúl Castro, unterhalten – zuletzt am Rande des CARICOM-Gipfels in St. Kitts und Nevis. Havanna bezeichnete entsprechende Berichte als "Spekulation", bestritt die Kontakte jedoch nicht.
Der Dialog vollzieht sich vor dem Hintergrund einer von den USA herbeigeführten Krise: Seit der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro am 3. Januar ist Kubas wichtigster Energielieferant ausgefallen. Seither hat Washington den Druck durch verschärfte Sanktionen und die Umleitung von Öltankern erhöht, was de facto einer Seeblockade für Energielieferungen gleichkommt.

